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Montag, 15. August 2016

Extrem-Butterbrot-Schmieren

Ich beobachte im Fernsehen, wie Menschen zu dramatischer Musik um die Wette harte Butter mit unterschiedlichen Techniken auf ein weiches Stück Brot zu schmieren versuchen. Neben der Tatsache, dass es beeindruckend ist, dass dieser Beitrag es tatsächlich an etwaigen Qualitätskontrollen, deren Existenz er mit seiner eigenen eigentlich widerlegt, in die Sendung geschafft hat, bleibt eigentlich nur eine Konsequenz: Abschalten.

Sonntag, 14. August 2016

Ohne Smartphone hast du kein Smartphone

Hallo Welt, da bin ich mal wieder.
Ich könnte nun behaupten, dass ich Sehnsucht nach diesem Blog verspürt hätte und es mich drängen würde mich den Weiten des Internets einmal mehr zu offenbaren - in Wirklichkeit ist mein Smartphone defekt und ich stelle nur fest, dass man offensichtlich sehr von diesem albernen kleinen Ding abhängig ist, selbst in Fragen von Zerstreuung und Freizeit.
Immer wieder erwische ich mich bei einem Griff nach meinem Telefon, auch wenn ich doch genau weiß, dass es nicht dort liegt, wo ich es unbewusst erahne. Ich möchte mit Leuten kommunizieren und bin genervt, dass ich dazu nicht einfach eine App nutzen kann. Selbst die Uhrzeit kann mir nicht mehr ohne weiteres überall und ständig angezeigt werden; eine Armbanduhr besitze ich schon lange nicht mehr.
Es bleibt nur noch hibbelig und leicht genervt abzuwarten, bis ein neues Mobiltelefon den Platz des alten, verschiedenen einnehmen wird. Ich zähle bereits die Stunden.

Mittwoch, 27. April 2016

Wichtige Fandiskussionen

Vor kurzem hatte ich eine kurze Meinungsverschiedenheit mit einer Freundin über die Frage, ob denn wohl ein Stormtrooper oder BB 8 der coolere Star Wars Charakter sei.
Die Antwort scheint mir eindeutig zu sein...

Mittwoch, 27. Januar 2016

Tassen fürs Rollenspiel

Eine talentierte Freundin, die schon einige sehr großartige Dinge hergestellt (und noch viele mehr...) hat, brachte mich vor ein paar Tagen durch diesen Post zu einer spontanen Eingebung. Seit beinahe fünf Jahren diene ich als Spielleiter einer Rollenspielrunde in der grimmen Dunkelheit des 41. Jahrtausends. Naturgemäß ist bei solchen Spielerunden der Kaffeekonsum sehr hoch, weshalb große, passende Kaffeebecher für alle Teilnehmer eine gute Idee sein dürften.

Also folgte ich ihrem Beispiel und begab mich, wenn auch widerwillig, in die örtliche schwedische Botschaft. Nach kurzer Suche wurde ich fündig und erstand 5 große weiße Tee- und Kaffeebecher zu einem annehmbaren Preis. Im benachbarten Bastelgeschäft ließ sich auch ein schwarzer, feiner Porzellanstift finden, wenn auch zu einem nicht mehr ganz so annehmbaren Preis.

Ich entschied mich die gespielten Charakere der Spieler als Vorbild zu nehmen. Jeder stammte aus einer anderen Organisation der Hintergrundwelt und hatte, durch Würfelglück, zu Beginn der Runde vor vielen Jahren eine "Weissagung" erhalten. Somit sollte als Motiv für die Tassen das Symbol der jeweiligen Organisation und darunter die Weissagung herhalten.

Der Becher der Techpriesterin

Für den Chef, der Becher des Inquisitors.
Freihandzeichnen ist nicht leicht. Glücklicherweise kann man auf den Tassen großartig mit dünnen Bleistiften eine Skizze aufbringen, an der man sich orientieren kann. Insgesamt nahmen die vier Tassen für die Spieler etwa eine Stunde Arbeit in Anspruch (inklusive Suchen der Motive, Vorzeichnung etc.) Nach dem Trocknen wanderten die guten Stücke noch in den Backofen und fertig war das Projekt - zumindest erst einmal, denn ich war mir noch nicht sicher, was ich aus der fünften Tasse machen sollte.
Soldaten leben auch (fast) nur von Kaffee, der Becher des Gardisten.

Der Becher des Assasssinen.

Auch hier half wieder eine Eingebung, es sollte ein grobes Bild des Imperators (einen solchen gibt es in der Hintergrundwelt) sein. Für diesen brauchte ich natürlich zusätzlich einen goldenen Stift.
Verneigt Euch vor dem Imperator!

Etwas unsicher war ich, ob meine künstlerischen Fertigkeiten ausreichen würden, doch das Ergebnis ist zufrieden stellend. Somit steht der nächsten Spielrunde nichts im Wege und ich kann durch meinen Kaffeebecher deutlich zeigen, wer das Sagen hat.

Dienstag, 12. Januar 2016

Terminfindungsprobleme II

Wir befinden uns wieder einmal an dem Punkt, an dem die Prioritäten gewisser Menschen gegenüber meiner Person hinterfragt werden müssen. Es ist ein leidiges Thema und ich verspüre wenig Lust darauf, erneut in Grübeln und Selbstzweifel darüber auszubrechen. Diese Phase wünsche ich hinter mir zu lassen.
Welcher Weg ist nun der richtige, wenn man mehr und mehr merkt, dass jemand, den man eigentlich schätzt, mit vielen Kleinigkeiten ein mangelndes oder abebbendes Interesse und wenig Wertschätzung für die Zeit anderer Menschen zum Ausdruck bringt? Welchen Weg soll man gehen, wenn man des Redens und des Hinterherlaufens müde wird, da beides nur wenige Früchte trug? Auf welchem Weg kann man seinen Stolz wahren und sich am Ende des Tages noch im Spiegel betrachten, zumindest bildlich gesprochen?
Ob er derjenige sein wird, der all diese Punkte in sich vereinigt, vermag ich noch nicht zu sagen; mein Weg jedenfalls wird mich schlicht von jenen Personen fort führen. Nicht unendlich weit fort, es wird auf diesem Weg keine Türen geben, die ich zuschlagen kann, weder für den dramatischen Effekt noch für den Kontaktabbruch. Doch ich beschließe mich auch nicht mehr allzu sehr zu bemühen, ein größeres Maß an Energie in die Beziehung zu jenen Menschen zu stecken oder ihnen gar eine gewisse Priorität vor anderen einzuräumen. Diese Anstrengungen und Handlungen haben in der Vergangenheit eher zu Verärgerung meinerseits als zu Bestätigung ihrerseits geführt, also können sie auch unterbleiben.
Selbstschutz, Selbstschutz. Unter diesem Motto wird mein weiteres Vorgehen stehen, wieder einmal. Aktuell fühle ich mich auch gestärkt und emotional uninvolviert genug, um dies problemlos so machen zu können. Sicherlich wird sich dieser Zustand wieder ändern, aber man wird zu diesem hoffentlich noch fernen Zeitpunkt auch eine Lösung finden.
Nun denn, ihr Energieräuber, Lippenbekenner, Ausredenmeister, Selbstverliebten und anderweitig Unzuverlässigen: Möge euch dies eine Warnung sein, denn eine zweite Chance kann euch gewährt werden, darüber hinaus beabsichtige ich aber keine Gefangenen zu machen. Man vergebe mir den vulgären Ausdruck, doch mittlerweile fühle ich mich zu alt für diesen Scheiß, der euer tägliches Spiel zu sein scheint.
Auch auf die Gefahr hin am Ende etwas einsam dazustehen, mögen das große Aussortieren beginnen!

Dienstag, 22. Dezember 2015

Snacks für Sternenkrieger

Natürlich kommt man dieser Tage an Star Wars nicht vorbei. Zur Vorbereitung gab es einen Filmmarathon der Originaltrilogie mit ein paar Freunden. Zur kulinarischen Erbauung steuerte ich einige Darth Vader Muffins bei, was zudem die Einweihung der entsprechenden Muffinformen darstellte. Zwei Fliegen mit einer Klappe.


Der Rührteig wurde mit etwas Kakao und gehackter Schokolade auf die dunkle Seite der Macht gebracht. So konnten wir dann ohne größere Ausfälle viele Stunden Filmgenuss in einer weit, weit entfernten Galaxis überstehen...

Sonntag, 20. September 2015

Iä! Iä! Cthulhu Fhtagn!

Zusätzlich zu den Sturmtruppen des Imperiums habe ich mich für die Feier im August auch an eine größere Torte gewagt, die in diesem Fall den großen Cthulhu, bekannt aus den Werken von H.P. Lovecraft, darstellen soll. Auch das war eine Premiere, etwas derartiges hatte ich noch nie zuvor geschaffen.

Als Basis diente ein Rührteigkuchen in einer Springform gebacken. Da ich die doppelte Menge an Teig aus dem Rezept verwendet habe, ging das Ding ziemlich auf und brauchte auch deutlich länger als vorgesehen. Mithilfe eines kleinen Messers und eines Bindfadens (MacGyver lässt grüßen) halbierte ich den Kuchen horizontal und unfallfrei. Ich wollte ihn mit etwas füllen, damit er nicht zu trocken im Geschmack würde, hierfür bestrich ich die untere Hälfte mit geschmolzener Schokolade und Kirschkonfitüre. Nachdem ich ihn wieder zusammen gesetzt hatte, verwendete ich auch außen Schokolade und Konfitüre, damit die nächste Schicht hielt - Marzipan!!

Eine Marzipandecke bildete die Grundlage. Leider war sie doch etwas zu klein für den riesigen Kuchen, so dass sie an einigen Stellen einriss. Da das ganze Projekt ein sehr experimentelles war, versuchte ich nach dem Auflegen der Decke sie mithilfe von Lebensmittelfarbe, in Wasser mit etwas Puderzucker gelöst, einzufärben. Das klappte nur mittelgut, immerhin wirkte das Marzipan nach der Behandlung zumindest hellgrün.

Nun folgte der künstlerische Aspekt: Kopf, Flügel und Tentakel des großen Cthulhu mussten geformt werden. Auch hierzu hatte ich Marzipan besorgt, dass ich ebenfalls grün einfärbte, was vor der Weiterverfärbung besser klappte. Das Zeug war außerordentlich klebrig, ließ sich aber ganz gut formen und hielt auch perfekt auf der Marzipandecke. Die zuvor aufgetauchten Risse nutzte ich, so dass der Eindruck entstand, dass die Tentakel aus dem Kuchen hervorbrechen.

Es war ein Haufen Arbeit, sorgte aber für einige Begeisterung und schmeckte ganz gut. Für weitere Projekte in der Richtung nehme ich mit, dass die normale Teigmenge ausreicht, dass ein anderes "Klebemittel" als Schokolade und Konfitüre verwendet werden sollte und dass ich mich vielleicht mal an Fondant heranwagen sollte, da es vermutlich weniger klebt und leichter zu verarbeiten ist. Außerdem sollte ich, wenn es dann soweit ist, mutig mit dem Messer voranschreiten und das Anschneiden der Torte übernehmen, da sich niemand sonst traute, die Hand gegen den großen und mächtigen Cthulhu zu erheben, wahrscheinlich aus Angst um die geistige Gesundheit.

Ph'nglui Mglw'nafh Cthulhu R'lyeh wgah'nagl fhtagn.

Zeitliche Paradoxa

Wie zu erwarten geht die endlose Geschichte in ihre nächste Runde. Wir erinnern uns: Es wurde vor etwa einer Woche angekündigt, dass Handwerker kommen würden, die die noch fehlenden Türen für die Balkone im Haus einbauen sollten. Die Aussage des Vermieters, der diese Dinge organisiert, lautete: „Drei Tage. Montag, Dienstag und Mitwoch müssen die in Ihre Wohnung, dann ist das ganze erledigt.“ Man seufzte, versuchte einzurichten, dass zu den angekündigten Zeiten Menschen die Türen öffnen konnten und hoffte insgeheim, dass die Angelegenheit dann endlich beendet sein möge.
Hoffnung ist jedoch der erste Schritt auf der Straße zur Enttäuschung.

Der Montag begann. Pünktlich wie die Maurer, die sie waren, betraten die Handwerker um 8 die Wohnung und machten sich an ihr staubiges Werk. Noch am selben Morgen teilt der Vermieter, der auch durch das Haus geisterte, etwas kleinlaut mit, dass das „doch nicht so schnell“ ginge, wie er es sich gewünscht hatte – dass das eine Sache von Wünschen ist, war eine ganz neue Information. Die Hausbewohner hatten eigentlich gehofft, dass er sich mit den zuständigen Handwerkern bespricht und dass seine Aussagen der letzten Woche auf diesen Absprachen basierten.

Nun ja. Am Montag, Dienstag und Mittwoch wurde wie angekündigt fleißig gearbeitet. Am Mittwochnachmittag wurde der Versuch gestartet aus dem Maurer vielleicht ein paar brauchbarere Informationen zu erhalten. Er wirkte einigermaßen entspannt, als er sagte: „Ich mache das morgen fertig, ich will nicht nochmal am Freitag herkommen.“ Dabei verstaute er sein Werkzeug in einem großen Eimer und machte sich kurz darauf auf den Heimweg.

Interessanterweise scheint er des Nachts eine Epiphanie, den Besuch von drei Geistern oder ein anderes Erlebnis gehabt zu haben, das seine Einstellung grundlegend veränderte: Am nächsten Morgen lautete seine neue Einschätzung: „Ich bin froh, wenn ich heute die Hälfte schaffe, das muss ja alles noch trocknen. Also, morgen bin ich auf jeden Fall nochmal da.“

Das Zähneknirschen der derart abgefertigten Mieter dürfte noch zwei Straßen weiter zu hören gewesen sein. Wieder musste das Öffnen der Türen mühsam organisiert und Möbel verrückt werden.
Wie es eben so kommen musste, lauteten die Abschiedsworte des Maurers am Freitagnachmittag: „Am Montag mache ich dann den Rest, da sind Sie auch hier, oder?“ Zudem gab der Vermieter zu bedenken, dass noch die Schwelle der neuen Tür bearbeitet werden müsse, in naher Zukunft, und dass auch die Wände rings um den neuen Durchbruch neu tapeziert und gestrichen würden, im nächsten Frühjahr. Man kann also aktuell davon ausgehen, dass im kommenden Sommer so langsam wieder Normalität eintreten wird, sofern die Mieter nicht einfach einige der ausstehenden Aktionen in Eigenregie durchführen.

Bei dieser ganzen leidigen Angelegenheit drängen sich einfach mehrere Gedanken auf. Haben Vermieter und Handwerker im Vorfeld tatsächlich über mehr kommuniziert und hat der Vermieter sich dann den Zeitansatz ausgedacht, den er weiter gemeldet hat, und auf das Beste gehofft? Haben umgekehrt die Handwerker ihm gegenüber den Aufwand untertrieben und ihn dann erst nach und nach mit den wahren Gegebenheiten konfrontiert? Versuchen einfach alle Parteien die Mieter in Sicherheit zu wiegen, indem sie schrittweise mit den Informationen rausrücken? Fällt es den Handwerkern (und auch dem Vermieter) vielleicht auch einfach sehr leicht die Hausbewohner anzulügen, sind sie also schlicht ohne Skrupel und Anstand?

Oder liegt das Problem doch bei den kleinen Geistern, die sich von den Geschehnissen verärgert zeigen und veralbert fühlen? Möglicherweise haben diese Personen, die immer wieder die Termine ändern und den Zeitansatz für die Fertigstellung nach hinten schieben, einfach ein wesentlich tieferes Verständnis von Zeit als der normale Mensch, der nur ihr lineares Verstreichen wahrnehmen kann und Begriffe wie „zu spät“ verwendet. Könnten diese Handwerker nicht einfach erkennen, dass es sich bei der eigentlichen Struktur der Zeit eher um... wibbly wobbly, time-y wimey... stuff... handelt? Halten wir uns also daran fest, denn das bedeutet auch, dass die Leute, die da arbeiten, so etwas wie einen Plan haben...

Samstag, 12. September 2015

Das Ende einer unendlichen Geschichte

Wie bereits einmal erwähnt, wurde meine Wohnung vor einigen Wochen mit Balkonen versehen. Die Geschichte hinter diesen ist eine lange und komplizierte voller Rückschläge und Wirrungen...

Schon bei der Unterzeichnung des Mietvertrages schwärmte der Vermieter von seiner Idee das Hinterhaus mit Balkonen auszustatten. Dieser Wunsch war wohl von einem der Bewohner an ihn herangetragen worden und er war mit Feuer und Flamme bei der Planung. „Nicht mehr in diesem Jahr“, der Einzugstermin war im März, „aber nächstes Jahr geht das los“, so oder ähnlich waren seine optimistischen Einschätzungen während des Gesprächs. Das war 2012.

Jenes Jahr, der Weltuntergang und auch das darauf folgende vergingen ereignislos in Bezug auf die Balkone. Wenn man dem Vermieter über den Weg lief, erwähnte er immer wieder gerne seinen glorreichen Plan, doch folgten diesen Worten keine Taten. Lächeln und Nicken, das war immer die beste Antwort auf seine Auslassungen.

Doch 2014 sollte alles anders werden.

Ein Schreiben an alle Mieter tauchte auf, in dem nun konkrete Pläne erläutert wurden. Im ersten Schritt sollte der Innenhof umgestaltet und Fundamente angelegt werden, im zweiten sollten dann die Balkone gebaut werden. Mit einer Woche Verspätung begannen die Baumaßnahmen. Tatsächlich schien das Unmögliche plötzlich möglich zu werden, denn die Hofumgestaltung und das Gießen der Balkonfundamente wurden nach einiger Zeit abgeschlossen. Doch dann... nichts. Alle hielten die Luft an und warteten darauf, dass eines Morgens Bauarbeiter die Wände erklimmen würden, aber das Warten war vergebens. Im Herbst des vergangenen Jahres, lange nach dem angegebenen Bautermin, erwähnte der Vermieter bei einem zufälligen Treffen beiläufig, dass die Firma, die mit dem Bau beauftragt war, „abgesprungen“ sei, eine etwas eigenwillige Formulierung im Zusammenhang mit Balkonen. Er sei jedoch fieberhaft auf der Suche nach einem neuen Angebot. Auf den Einwand, dass es dann wohl erst im nächsten Jahr etwas werde, erwiderte er: „Die kann man auch im Winter anbauen, die werden ja nur von außen an die Fassade geschraubt, das ist ja nicht so schlimm. Die Türen baut man dann eben später ein...“

Nun ja. Der Winter verstrich. Das Frühjahr brach an, die Natur erwachte, alle waren glücklich und genossen die wärmenden Strahlen der Sonne. Niemand sprach mehr von oder dachte an die Balkone. Eines Tages am Ende des Wonnemonats Mai begegnete mir wieder einmal der Vermieter. Im Vorbeigehen rief er: „Ende des Monats! Ende des Monats kommen die Balkone!“ Ich nickte, lächelte und ging schnell weg, das ganze wirkte inzwischen ein wenig wie ein Running Gag. Da der Mai fast Geschichte war, ging ich davon aus, dass er vom Juni sprach und wartete mit mäßigem Interesse auch diesen Monat ab. Man wundert sich nicht mehr, dass nichts geschah.

Im Juli jedoch sollten alle überrascht werden. Wieder gab es ein Rundschreiben und einen konkreten Termin. Und zum ersten Mal in dieser Geschichte wurde dieser auch eingehalten – eine Horde Handwerker, allerlei Werkzeug, ein kompakter Kran und eine ebenso kompakte Hebebühne strömten in unseren engen Hinterhof und begannen mit der Arbeit. In wenigen Tagen waren die lang angekündigten Balkone, eher unansehnliche Metallkonstruktionen, von außen an der Fassade befestigt, wie es der Vermieter, ein wahrer Prophet, einst angekündigt hatte.

Doch dies war nicht das Ende. Zwischen Balkon und Wand klaffte jeweils ein etwa 20 Zentimeter breiter Spalt, laut Erklärung „falls man da mal irgendwann in einigen Jahren die Wände noch dämmen will“ (es graut mir ein wenig davor, dass dies das nächste endlose Projekt im Haus wird), zudem gab es noch keine Türen, wir mussten aus dem Fenster klettern um diese Erweiterungen unserer Wohnungen nutzen zu können.

Auf Nachfrage beschwichtigten die zuständigen Handwerker die ungeduldigen Mieter, zumindest was den ersten Punkt anging, und kündigten an, dass sie zeitnah noch ein Blech über den Abgrund setzen würden. Ein Versuch sie zeitlich festzunageln führte immerhin zu der Aussage „Zwischen nächster Woche und Ende August, denn dann gehen wir in Urlaub“.

Diese Leute tauchten zwar nicht in der folgenden Woche auf (wir befanden uns inzwischen im August), doch immerhin tat dies ein Mann, der mit dem Einbau von Fenstern seinen Lebensunterhalt bestreitet. Dieser vermaß alles, was er brauchte, um „zeitnah“ Balkontüren einzubauen – zudem prüfte er, an welchen Stellen Heizkörper versetzt werden müssten, damit er überhaupt arbeiten kann. Alle waren fast euphorisch, da sie hofften, dass diese Odyssee nun vielleicht endlich ihren Abschluss finden würde.

Doch wie das so ist, der Mensch lernt nichts aus seiner Geschichte. Die Wochen verstrichen, ohne dass sich einer der zuständigen Handwerker jemals wieder meldete. Sobald man des Vermieters angesichtig wurde, wurde nachgehakt, doch er wusste auch nicht mehr und kündigte nur an „da mal anzurufen“. Am Ende des Monats betrat ein weiterer Akteur in diesem Stück die Bühne, der Heizungsinstallateur. Auch er nahm sehr sorgsam Maß, da er in einer unserer Räumlichkeiten eine Spezialanfertigung von Heizkörper einbauen müsste – der Platz ließ nichts anderes zu. Doch auch an dieser Front herrschte nach dem Termin nur noch Schweigen.

Vor einer Woche ging es dann plötzlich Schlag auf Schlag. Die Bleche wurden angebaut, einen halben Tag lang turnten die Handwerker auf den Balkonen herum, schoben die Einrichtungen, die die Bewohner schon mal (eigentlich unerlaubt) dort platziert hatten, beiseite und schlossen unter lautem Getöse und Rumoren den Spalt zwischen Wand und Balkon. Eine Kleinigkeit zwar, doch es ist wesentlich angenehmer auf dem Balkon zu sitzen, wenn man nicht ständig beim Blick nach links bis hinunter auf den gepflasterten Hof schauen kann.

Zwei Tage später war der Heizungsmann da. Ein 1,95 m hoher Heizkörper soll nun im Winter verhindern, dass wir im Schlaf erfrieren. Am selben Tag kündigte der Vermieter im Vorbeigehen an, dass „nächste Woche dann die Türen kommen. Oder übernächste Woche. Ich ruf' da nochmal an.“

Wie es aussieht, wird es dann die „übernächste“. Übermorgen soll es losgehen und innerhalb von drei Tagen erledigt sein. Man darf äußerst gespannt sein, welche Hindernisse, halbfertigen Ergebnisse oder anderen Absonderlichkeiten uns dabei noch erwarten. Vielleicht, aber nur vielleicht, endet an der Stelle auch die lange Geschichte von der tollen Idee unseres Vermieters und wir können uns alle glücklich und zufrieden dort sonnen und Tomaten anpflanzen.

Diesen Text schrieb ich auf dem Wohnzimmerbalkon sitzend und die Septembersonne des Jahres 2015 genießend. Die Mietpartei, die ursprünglich nach Balkonen gefragt hatte, wohnt übrigens schon seit etwa zwei Jahren nicht mehr im Haus. Ich hoffe, dass sie in ihrer neuen Bleibe endlich gefunden hat, worauf sie hier vergeblich wartete.

Sonntag, 16. August 2015

Waffen!! In bunt!!

Wie vor einiger Zeit berichtet, kam ich beim Einkaufen irgendwann an einer Nerfgun nicht mehr vorbei, ohne sie in den Einkaufswagen zu legen. Ich wollte das Ergebnis des Bemalens der Welt nicht vorenthalten, auch wenn ich es zwei Monate nach der Fertigstellung präsentiert wird.
 



Ich habe etwa drei Nachmittage an dem Ding gearbeitet. Mithilfe eines Tutorials war das Zerlegen ohne größere Probleme möglich, auch wenn direkt nach der ersten gelösten Schraube eine winzige Feder aus dem Schlitten herausspringen und sich im Wohnzimmer verstecken wollte. Schrauben und Einzelteile verschwanden für die Dauer des künstlerischen Prozesses in Plastikbeuteln.

Als erstes, nach dem ausgiebigen Abschleifen aller Einzelteile um die Plastikoberfläche von seltsamen Aufdrucken und Firmenlogos zu befreien und für die Farbe vorzubereiten, ging es an die frische Luft, die großen Bauteile wurden mit brauner Acrylfarbe aus der Sprühdose grundiert. Acryl habe ich danach dann noch in weiteren Schichten und verschiedenen Farben und Intensitäten aufgetragen. Mit Trommel und Schlitten bin ich doch recht zufrieden, das Trockenbürsten mit silberner Farbe auf schwarzem Grund hat gut funktioniert.

Am Ende kam dann noch die größte Herausforderung, das dumme Ding musste wieder zusammengesetzt werden. Natürlich musste ich es wieder auseinander schrauben, da ich ein Bauteil vergessen hatte, aber letztlich fand alles seinen Platz. Der erste Schuss nach dem Umstyling traf zielsicher den mittelgroßen und mittelmächtigen Cthulhu zwischen die Augen.



Fazit:
Es hat Spaß gemacht und wird bestimmt bei Gelegenheit wiederholt. Mit etwas Ruhe und Konzentration sind auch Zerlegen und Zusammensetzen des Spielzeugs ein wesentlich geringeres Problem, als ich befürchtete.
Für das nächste Mal nehme ich mit, dass einige Teile mehr Farbe benötigen, da sie auch beim fertigen Objekt noch immer in grellem Orange leuchten oder dieses noch durchschimmert. Hier wäre mehr Geduld hilfreich. Der fehlenden Geduld werfe ich auch vor, dass die Kanone keine Lackierung mehr erhalten hat. Vermutlich werden dadurch im Laufe der Zeit Abnutzungserscheinungen auftreten.
Insgesamt bin ich für den ersten Versuch aber zufrieden und betrachte die Probleme eher als lehrreiche Erfahrungen.

Freitag, 7. August 2015

Ein neuer Schuss

Wir befinden uns an Tag 2 nach der letzten Dosis. Vor ziemlich genau 48 Stunden habe ich "das Suchtmittel" zum Abschied umarmt und seiner Wege ziehen lassen. Eine hervorragende Möglichkeit um einmal die Abhängigkeitssymptome genauer zu analysieren.

Die betreffende Person war es, die nach einem Treffen fragte. Ich reagierte etwas reserviert und abweisend, da ich es zu dem Zeitpunkt bereits über einen Monat ohne sie ausgehalten hatte, und sicher noch nicht "clean" war, aber einen wesentlich geringeren eigenen Druck nach ihrer Zuwendung verspürte. Nach kurzem Hin und Her stimmte ich natürlich doch zu.

Ich merkte in der Zeit, die bis zum Treffen verging, dass ich mich nicht so recht darauf freuen konnte oder wollte. Ich wusste, es wäre zu kurz, ich wusste, es würde meine Wünsche nur teilweise befriedigen, ich wusste, wie es mir hinterher gehen würde. Auch die ersten zwei bis drei Stunden, die wir dann zusammen verbrachten, verhielt ich mich zurückhaltend, distanziert, versuchte meinen Abstand zu wahren, meine geistige und körperliche Gesundheit zu verteidigen.

Meine gesamte Abwehr und Mauer wurde dann jedoch mit einem Schlag eingerissen, vielmehr mit einer Umarmung und einem "ich habe dich vermisst", vier Worte und eine Geste, die mich aus heiterem Himmel trafen und mich wehrlos den Auswirkungen meiner Droge auslieferten. An der Stelle konnte ich die Umarmung dann nur erwidern und dem Satz zustimmen.

Natürlich war die darauf folgende Zeit sehr schön. Wir hatten viel Spaß, haben ein paar Dinge unternommen und die üblichen kleinen Spielchen zwischen uns gespielt. Es war wie immer, ganz instinktiv, es fühlte sich richtig an. Man kennt sich, man vertraut sich, man muss sich für den anderen nicht verstellen.

Dann kam der Abschied, der dieses Mal für einen wesentlich längeren Zeitraum sein wird. Ich wollte noch soviel sagen, in der Nacht davor lag ich lange wach und legte mir die ganzen Worte zurecht. Am nächsten Morgen waren sie zwar noch alle da, wollten jedoch nicht so recht über meine Lippen kommen. Ich nutzte auch die letzte Gelegenheit um nochmal 20 Minuten mehr Zeit für meine Droge rauszuschinden, dann war sie weg.

Für den Rest des Tages wirkte die Dosis noch nach, doch sie war zu niedrig. Schon gestern spürte ich, wie ich unleidlich wurde und überlegte, wie ich die Zeit bis zum nächsten Aufeinandertreffen doch noch kürzen könnte. Diese Pläne verleugneten natürlich komplett die Realität und waren reines Wunschdenken.

Heute, zwei Tage nach dem letzten Schuss, versuche ich krampfhaft wieder runterzukommen. Ein langer Weg des Entzuges liegt noch vor mir, mehr als zwei Monate werden es (zwangsweise). Natürlich ist es absehbar, dass danach das Spiel von vorne beginnt, denn es drängt mich ja eigentlich nicht danach, von dieser speziellen Droge herunterzukommen, man möge mir diese etwas unglückliche, zweideutige Wortwahl verzeihen. Doch vielleicht schaffe ich es mich während dieser Pause etwas zu beruhigen und weniger emotional an diese Bindung heranzugehen.

Man darf gespannt sein und vermutlich werde ich die weitere Entwicklung dieser Sucht dokumentieren.

Samstag, 25. Juli 2015

Ein unregelmäßiges Update

Nun ja, nun ja. Scheinbar war es doch nicht so einfach sich selbst in den Allerwertesten zu treten, einmal die Woche zumindest zwei oder drei Absätze zu tippen und hier zu posten. Der Ausreden gibt es viele: Keine Zeit, zu viel wichtigere Dinge, die zu erledigen waren, fehlende Ruhe und Inspiration, wenn doch mal die Zeit da war, Faulheit, Unzufriedenheit mit den im Kopf umherschwirrenden Texten.

Welche dieser Erklärungen nun am plausibelsten erscheint, mag der Leser für sich selbst beantworten. Vermutlich ist die Wahrheit, wie so oft im Leben, eine Mischung aus all diesen Faktoren und noch anderen, ungenannten.

Während draußen nun Sturm, finstere Wolken und Regen heranrollen und ich das dringende Bedürfnis verspüre, einem gewissen Geschwisterpaar, das gestern nach einem Blick auf ihre Smartphones mit überlegener Stimme verkündeten "Das regnet morgen nicht!", ein hämisches "Ich habs euch ja gesagt" entgegen zu schleudern, schaffe ich es doch tatsächlich, wenn auch völlig aus dem Rhythmus, ein paar Gedanken niederzuschreiben.

Doch worüber hätte ich mich in den letzten Wochen auf die Tastatur ergießen sollen (viel Spaß mit dieser Vorstellung)?

Mein erstes hochgeladenes Bild in diesem Blog. Ich bin so stolz.


Der Meister des "Schauen wir mal, kriegen wir schon hin", mein Vermieter, hat seinen mindestens drei Jahre alten Traum von Balkonen für unser Haus endlich erfüllt. Die Mietpartei, die sich diese damals gewünscht hatte, wohnt zwar schon seit etwa zwei Jahren nicht mehr hier, aber sicherlich ist es für alle anderen auch ein großer Erfolg. In nur drei Tagen wurden sie an den Wänden befestigt und stehen nun den Hausbewohnern zur Verfügung - wenn es denn schon Türen gäbe und man nicht darauf angewiesen wäre aus dem Fenster zu klettern... und wenn nicht zwischen Balkon und Wand noch ein 30 Centimeter breiter Spalt wäre, der den Rückweg durch das Fenster erschwert... nun ja, aber ein Balkon! Der Pöbel möge jubilieren! Solange dieser aber noch in der aktuellen Form ohne Tür und mit Abgrund existiert, sollten sich dumme Betrunkene, dumme Kinder und dumme Haustiere mit dem Ausblick aus dem Fenster begnügen. Für die demnächst anstehende Geburtstagsfeier in unseren vier Wänden werde ich wohl noch entsprechende Warnschilder entwerfen...

Auch wenn ich beim Layout dieses Beitrages etwas geschummelt habe, ist dies doch schon der sechste Absatz. Da es niemanden gibt, der mir widersprechen würde, erkläre ich den vorliegenden Post somit für erfolgreich und im Rahmen des selbst auferlegten Qualitäts- und Quantitätsanspruchs befindlich.

Donnerstag, 2. Juli 2015

Zielstrebiger Einkauf

Ich bin echt toll. Ich bin in die Stadt gegangen um Kleidung zu kaufen. Wie das dann meistens so ist, betrete ich ein Bekleidungsgeschäft, peile zielstrebig das Gesuchte an und stelle fest: "In meiner Größe gibt es fast nichts und das wenige, was es gibt, gefällt mir nicht." Zeitaufwand pro Laden: etwa 30 Sekunden. Frustriert gehe ich danach ins Buchgeschäft... Zeitaufwand hier: 15 Minuten... Statt einer Hose und Schuhen habe ich nun also zwei Bücher gekauft. Das habe ich wirklich gut gemacht, auch wenn ich meinen Körper mittelfristig dann wohl mit Buchseiten bedecken muss.

Mittwoch, 20. Mai 2015

Quengelware

Soviel dann zum "Erwachsensein"...

Der Discounter um die Ecke hat in seinem Non-Food-Bereich seit etwa einer Woche diverse Sommerutensilien im Angebot. Neben Blumentöpfen und Picknickdecken befindet sich auch ein Regal mit Nerfguns, bunte Plastikpistolen, die kleine bunte Schaumstoffpfeile verschießen können... folgerichtig schleiche ich also seit etwa einer Woche schon bei jedem Einkauf um dieses Regal herum und hadere mit mir und meinem Schicksal.

"Du brauchst sowas doch eh nicht, was willst du damit?"
"Du bist erwachsen, das ist Kinderspielzeug!"
"Das ist ziemlich albern, lass die Finger davon!"
"Das Geld kannst du viel sinnvoller ausgeben!"

Eine Woche lang habe ich es geschafft dem Drang so ein Teil zu kaufen zu widerstehen - heute war dann die Selbstbeherrschung nach einem nervigen, anstrengenden Tag auf dem Nullpunkt angelangt. Damit ich mich nicht ganz so kindisch fühle, plane ich das Ding anzumalen. Das machen Erwachsene so, Nerfguns anmalen, damit sie cool aussehen. Und nur aus diesem Grund habe ich heute zugegriffen und sie mitgenommen, künstlerische Betätigung und kreative Entspannung!
Man muss sich nur lang genug einreden, dass eine Entscheidung rational gefällt wurde, dann glaubt man das irgendwann auch.
Man möge mich nun bitte entschuldigen, ich muss auf Dinge schießen.

Montag, 20. April 2015

Die Droge "Mensch"

Sind manche Menschen mit Rauschmitteln gleichzusetzen? Müsste man sie einfach nur fein zermahlen, in Tütchen verpacken und könnte sie dann äußerst gewinnbringend verkaufen?

Es gibt Personen, deren Wirkung sich zumindest ähnlich anfühlt. Wenn sie in der Nähe sind, ist es wie ein Rausch, man fühlt sich frei, hat Spaß und nimmt die ganze Welt ganz anders wahr. Jedoch folgt kurz darauf der unweigerliche Absturz, wenn sie wieder verschwinden. Passenderweise fühlen sich anscheinend auch nur Menschen so an, deren Nähe man nur sehr selten genießen darf – ob da ein Zusammenhang besteht?

Die erste Zeit nach der Zusammenkunft bleibt das Hoch noch erhalten. Man grinst viel, denkt an die vergangenen Momente und freut sich auf das nächste Mal. Dann lässt die Wirkung langsam nach. Man beginnt die Tage und Wochen und Monate zu zählen, bis man sich das nächste Mal sieht und ist geschockt, wenn man merkt, dass man diese Zeit tatsächlich in Monaten berechnen muss. Die Gedanken kreisen immer häufiger um das Rauschmittel, man beginnt sich zu überlegen, ob es Alternativen gibt, um sich die Zeit und Nähe zu holen, die man will, wenn man andere Verpflichtungen vernachlässigt.

Irgendwann ist der Entzug so weit fortgeschritten, dass man ungehalten ist, fahrig, dass die Welt ihre Farbe und ihre Freude zu verlieren scheint. Man würde eine ganze Menge tun, nur um einige Augenblicke der geschätzten Person für sich beanspruchen zu können. Es tut beinahe körperlich weh von ihr getrennt zu sein und zu wissen, dass dies vorerst so weiter gehen wird.

Und dann ist der Entzug durch. Es ist nicht so, dass die Person an Bedeutung verliert oder dass man sie nicht mehr gern hat, dieser unbändige Drang nach ihrer Nähe löst sich nur auf. Man kann normal mit der Situation umgehen, man hat kein Problem mehr zu warten, man investiert nicht mehr einen Großteil der eigenen Energie dort hinein. Aus eigener Erfahrung tritt dieser Zeitpunkt etwa nach einem Monat des Abstandes ein, manchmal etwas früher, manchmal etwas später.

Wie das aber so ist bei Drogen, es kommt der Moment des Rückfalls, denn eigentlich will man ja gar nicht clean sein – man trifft die Person wieder, freut sich, hat eine schöne Zeit, genießt ihre Nähe... und das Spiel beginnt von vorne. 

Also: Vorsicht vor Freundschaften, sie sind nur der Einstieg!

Nachtrag: Scheinbar reicht schon ein kurzes Gespräch über Skype als "Schuss" um wieder "high" zu werden. Verdammte Sucht!

Sonntag, 5. April 2015

Pause vom Wahnsinn

Soziale Medien sind etwas feines. Man kann schnell mit seinen Freunden, Bekannten und Kollegen kommunizieren, hat Zugang auf allerlei Informationen und den neusten Klatsch und Tratsch und kann seinerseits solche Informationen zur Verfügung stellen. Angeregte, tiefsinnige Diskussionen über Gott und die Welt sind möglich.
Der geneigte Leser wird sicherlich wissen, dass diese Idealvorstellungen jedoch oftmals eher fromme Wünsche sind, die mit der Realität wenig gemein haben.
Ständige Erreichbarkeit, dümmliche Kommentare anderer Nutzer, jammervolle Existenzen, die ihr virtuelles Klagelied anstimmen, die üblichen Kommunikationsprobleme, wenn man Mimik und Gestik des Gegenübers nicht wahrnimmt,... man kann, muss aber nicht, diese Liste noch eine ganze Weile fortführen.
Darum ist ab und zu eine Pause sehr hilfreich. Eine festgesetzte Zeit, in der entsprechende Seiten nicht aufgerufen werden, in der entsprechende Apps ab- oder zumindest still gestellt sind und in der man sich zwingt diese Abstinenz auch rigoros durchzuhalten. Aus eigener Erfahrung ist zu berichten, dass bereits nach kurzer Zeit der Nachtschlaf wesentlich entspannter ist, der Nacken weniger schmerzt vom Kopfschütteln und der Kopf sich mehr auf bessere, konstruktive Aufgaben konzentrieren kann.
Woran merkt man, dass eine Pause nötig ist? Wenn der Wunsch in den PC oder das Handy zu beißen übermächtig wird, wenn Verzweiflung und Frustration zu stark werden, wenn man beginnt diese konstruierte Welt zu ernst zu nehmen und seinen Freunden Dinge, Aussagen oder Verhalten aus dieser Welt übel nimmt... dann ist der Augenblick gekommen sich mal wieder eine Weile auszuklinken.
Dementsprechend: Zurücklehnen, lächeln und abschalten!

Dienstag, 31. März 2015

Die Antwort...

... ist natürlich zweiundvierzig. Dies ist der 42. Beitrag in diesem Blog. Vielen Dank für die Aufmerksamkeit... keit ... eit... eit... (Das Echo verhallt in dem riesigen leeren Raum).

Donnerstag, 26. Februar 2015

Die Falle der Faulheit

Mein neues Sofa frisst meine Kreativität und meinen Elan. Ich fürchte, es ernährt sich davon, wird stärker, gefährlicher und irgendwann eine Bedrohung für den Rest der Menschheit.

Vor einigen Wochen kam es an und dominiert seitdem mit seinen enormen Ausmaßen und seiner nicht zu leugnenden Bequemheit (ist das überhaupt ein Wort? So weit ist es schon gekommen...) das Wohnzimmer. Vorerst weichen mussten dafür Schreibtisch und Schreibtischstuhl, die in den nächsten Umbauphasen sicherlich wieder einen Platz erhalten werden. Zunächst war das kein Problem.

„Ich habe doch vorher auch oft mit dem Laptop auf dem Sofa gesessen und geschrieben, warum sollte das nun anders sein?“

Doch es ist anders. Man sitzt nicht auf diesem Möbelstück der Trägheit, man liegt, lümmelt oder fläzt. Sämtliche instinktiv darauf eingenommenen Langzeitpositionen sind nicht förderlich für konzentrierte Arbeit oder gar komplexe Denkprozesse, sondern regen nur Faulheit und Entspannung an.

All die kreativen Einfälle, Geistesblitze und Ideen, die man über den Tag verteilt so ansammelt und gerne zuhause umsetzen möchte, sie verschwinden ins Nichts, werden aufgesaugt und von Lethargie und Stumpfsinn verdrängt, sobald man Platz genommen hat. Im Nu ist es tiefste Nacht und man wundert sich, wo die Zeit geblieben ist und warum man nichts geschafft hat, während das teuflische Sitzmöbel unschuldig an seinem Platz steht, als hätte es mit der ganzen Situation nichts zu tun und als wolle es sagen: "Ach, entspann dich. Leg doch vielleicht die Füße ein wenig hoch, das ist bestimmt noch angenehmer." Draußen vor dem Fenster vergehen die Jahreszeiten, Kinder werden zu Erwachsenen, Zivilisationen steigen auf und vergehen wieder... und ich frage mich, was im Februar überhaupt passiert ist, was ich getan habe.

Um diesen Text zu schreiben, musste ich mich zwingen den etwas unbequemeren Stuhl zu benutzen, hier war ich nicht abgelenkt, mein Geist war nicht vernebelt von Verlockungen des Müßigganges. Ich spüre bereits, wie das Sofa seine unsichtbaren Klauen wieder nach mir ausstreckt und mich lockt, seine Polster und Kissen wirken so einladend... jemand muss mich retten!!

Dienstag, 11. November 2014

Hello, darkness, my old friend...

Dies ist eine Liebeserklärung an die Dunkelheit der Nacht, meine liebste Tageszeit.

Wir Menschen verspüren eigentlich instinktmäßig Furcht oder zumindest Unbehagen vor der Dunkelheit. Dies hat vermutlich evolutionäre Gründe, das wird landläufig so jedenfalls behauptet. Wenn die Sonne untergegangen ist, werden unsere Augen, unsere wichtigste Orientierungshilfe, nahezu nutzlos, was unser kleines, paranoides Primatenhirn in Panik versetzt, da es Feinde nun nicht mehr so einfach wahrnehmen kann, bevor es möglicherweise zu spät ist. Dies ist die einfache, laienhafte Erklärung.

Und diese Angst wird auch in unserer modernen Zivilisation fleißig weitergetragen. Wir warnen uns gegenseitig davor nachts das Haus zu verlassen, denn böse Menschen lauern im Dunkeln – natürlich kennen auch die bösen Menschen diese Geschichten und werden vermutlich nicht nachts hinter Bäumen auf ihre Opfer lauern, da ihnen bewusst sein sollte, dass diese Opfer ängstlich in ihren Häusern hocken. Die wirklich bösen Menschen begehen ihre Taten im hellen Licht, wo alle sie sehen können. Straßenlaternen machen in modernen Metropolen die Nacht zum Tag, Lampen in jedem Raum des Hauses sperren die Dunkelheit aus, Scheinwerfer sorgen für Sicherheit an Autos und Grundbesitz.

Kindern wird früh eingeimpft, dass die Finsternis gefährlich ist. Im zarten Alter von vier Jahren erzählte mir meine Großmutter die liebevolle Mär vom kinderfressenden, alten Schuster, der in ihrem dunklen Keller hauste. Wahrscheinlich sollte diese Geschichte nur verhindern, dass ich die steile Kellertreppe hinabstürzte, sie machte jedoch nachhaltigen Eindruck auf meine formbare Seele. Erst mit etwa 25 Jahren habe ich das erste Mal den großelterlichen Keller betreten und festgestellt, dass er weder so „duster“ wie behauptet war, noch dass dort jemand Schuhe reparierte oder anfertigte. Und dennoch ertappte ich mich auch nach dieser Klarstellung der Verhältnisse immer mal wieder dabei, dass ich beim Verlassen von Kellerräumen meinen Gang beschleunigte und es vermied über die Schulter zu blicken um keine wertvolle Zeit zu verschwenden beim Entkommen vor etwaigen Verfolgern.

Aber wie weit entfernt von dieser urzeitlichen Angst ist doch die Wahrheit. Ein Spaziergang allein durch die nächtliche Stadt ist so wunderbar geeignet um zur Ruhe zu kommen und den Alltagsstress auf einfachste Weise loszuwerden. Wo soll man beginnen?
Die Wahrnehmung ist eine andere als bei Tageslicht. Auch wenn in unseren Städten überall Laternen die Straßen erleuchten, ist doch die Dunkelheit allgegenwärtig. Der Gesichtssinn nimmt quasi zwangsweise eine Auszeit und kann sich von den Strapazen des Tages erholen.
Das gleiche gilt für das Gehör, denn die Geräuschkulisse des Tages verschwindet fast vollständig. Wie angenehm ist es für die geschundenen Ohren, die Stunden zuvor Verkehrslärm, Musik, Handys und die Stimmen so vieler Menschen ertragen mussten, streckenweise nur das Geräusch der eigenen Schritte und das Surren der Laternen hören zu können. In unserer niemals schweigenden Welt kommt dies der Stille wohl am nächsten.
Selbst Tast- und Geruchssinn werden auf neue Art stimuliert. Aufgrund der eingeschränkten visuellen Wahrnehmung fühlt sich der Bodengrund ganz anders und unbekannt an, das richtige Schuhwerk vorausgesetzt, die kühlere Luft auf der Haut erinnert an ein sanftes, beruhigendes Streicheln. Und die Nacht hat ihren eigenen Geruch, der sich von dem des Tages unterscheidet, feuchter, erdiger, aufregender.

Wie kann man es nicht lieben allein durch die dunkle Nacht zu streifen und all diese veränderten Sinneswahrnehmungen, die unendliche Weite der Sterne über sich und die göttliche Stille um sich herum einfach nur auf sich wirken zu lassen? Wenn dann noch der Mond alles in ein gespenstisches Licht taucht, wenn der Alltag in den Hintergrund tritt, wenn man sich von Einsamkeit und Finsternis durchdringen lässt, kann man endlich Frieden und Ruhe empfinden.

Es gibt viele Menschen, die dies nicht verstehen. Sie vermuten ein Problem, wenn jemand mitten in der Nacht ohne ein konkretes Ziel und ohne Begleitung das Haus verlässt um einige Stunden spazieren zu gehen. Wie weit entfernt sie doch von der Wahrheit sind. Es gibt kaum einen Moment, in dem es mir besser geht.


Sonntag, 26. Oktober 2014

LARP für alte Menschen

Vor vielen Jahren begann für mich die Zeit des Liverollenspieles. Anfangs ein Hobby, das mich sehr begeisterte und zu kreativen Höchstleistungen motivierte, ließ die Begeisterung mit den Jahren nach. Man wird älter und hat vieles schon gesehen, lernt die anderen Teilnehmer einzuschätzen und mit ihnen umzugehen, die Faszination und der Reiz des Neuen schwinden. Ebenso bleibt es nicht aus, dass weniger Veranstaltungen besucht werden, der Terminkalender füllt sich und man muss mit der eigenen Zeit mehr haushalten. Zudem wird man bequemer und lehnt schon mal Spiele ab, die dem eigenen Komfortempfinden zuwiderlaufen – das hätte es damals nicht gegeben. Ich fühle mich gerade uralt...

Und wie die Begeisterungsfähigkeit und Zeit nimmt auch die Motivation ab. Man erwischt sich immer wieder, besonders im Vorfeld einer stressigen Veranstaltung, bei der gedanklichen Frage, warum man sich das überhaupt noch antut. Kostümprobleme, logistische Herausforderungen, Schlafmangel, unzureichende Ernährung, Kälte, Nässe, viele Menschen, mit denen man freiwillig gar keine Zeit verbringen würde, unschöne Situationen... all das wird mir bewusst, wenn der Wecker früh an einem Samstagmorgen klingelt und mich auffordert mein Gepäck zu richten und mich abfahrbereit zu machen.

Und doch stehe ich an jedem dieser inzwischen seltenen Tage auf und bleibe nicht einfach liegen. Denn auch in diesem Jahr gab es auf jeder Veranstaltung wieder mindestens einen dieser Momente. Der Moment, für den es sich alles bezahlt gemacht hat, der alles andere mehr als aufwiegt.
Der Moment, in dem sich alles verselbstständigt und einfach nur noch passiert.
Der Moment, der mich emotional mitreißt, sei es aus Freude, Trauer, Wut – oder einfach nur aufgrund der schieren Epik der Situation.
Oder der Moment, in dem alles plötzlich auf der Kippe steht, in dem ein einzelner Funke einen Feuersturm auslösen könnte.

Das ist dann der Moment, den ich mir im Nachhinein vor Augen führe und über den ich sagen kann: Deshalb mache ich diesen ganzen Mist.