Zusätzlich zu den Sturmtruppen des Imperiums habe ich mich für die Feier im August auch an eine größere Torte gewagt, die in diesem Fall den großen Cthulhu, bekannt aus den Werken von H.P. Lovecraft, darstellen soll. Auch das war eine Premiere, etwas derartiges hatte ich noch nie zuvor geschaffen.
Als Basis diente ein Rührteigkuchen in einer Springform gebacken. Da ich die doppelte Menge an Teig aus dem Rezept verwendet habe, ging das Ding ziemlich auf und brauchte auch deutlich länger als vorgesehen. Mithilfe eines kleinen Messers und eines Bindfadens (MacGyver lässt grüßen) halbierte ich den Kuchen horizontal und unfallfrei. Ich wollte ihn mit etwas füllen, damit er nicht zu trocken im Geschmack würde, hierfür bestrich ich die untere Hälfte mit geschmolzener Schokolade und Kirschkonfitüre. Nachdem ich ihn wieder zusammen gesetzt hatte, verwendete ich auch außen Schokolade und Konfitüre, damit die nächste Schicht hielt - Marzipan!!
Eine Marzipandecke bildete die Grundlage. Leider war sie doch etwas zu klein für den riesigen Kuchen, so dass sie an einigen Stellen einriss. Da das ganze Projekt ein sehr experimentelles war, versuchte ich nach dem Auflegen der Decke sie mithilfe von Lebensmittelfarbe, in Wasser mit etwas Puderzucker gelöst, einzufärben. Das klappte nur mittelgut, immerhin wirkte das Marzipan nach der Behandlung zumindest hellgrün.
Nun folgte der künstlerische Aspekt: Kopf, Flügel und Tentakel des großen Cthulhu mussten geformt werden. Auch hierzu hatte ich Marzipan besorgt, dass ich ebenfalls grün einfärbte, was vor der Weiterverfärbung besser klappte. Das Zeug war außerordentlich klebrig, ließ sich aber ganz gut formen und hielt auch perfekt auf der Marzipandecke. Die zuvor aufgetauchten Risse nutzte ich, so dass der Eindruck entstand, dass die Tentakel aus dem Kuchen hervorbrechen.
Es war ein Haufen Arbeit, sorgte aber für einige Begeisterung und schmeckte ganz gut. Für weitere Projekte in der Richtung nehme ich mit, dass die normale Teigmenge ausreicht, dass ein anderes "Klebemittel" als Schokolade und Konfitüre verwendet werden sollte und dass ich mich vielleicht mal an Fondant heranwagen sollte, da es vermutlich weniger klebt und leichter zu verarbeiten ist. Außerdem sollte ich, wenn es dann soweit ist, mutig mit dem Messer voranschreiten und das Anschneiden der Torte übernehmen, da sich niemand sonst traute, die Hand gegen den großen und mächtigen Cthulhu zu erheben, wahrscheinlich aus Angst um die geistige Gesundheit.
Ph'nglui Mglw'nafh Cthulhu R'lyeh wgah'nagl fhtagn.
Gedanken, Geschichten, Texte, die meinem wirren Verstand entsprungen sind und die ich hier niederschreiben möchte. Und dabei vollkommen subjektiv, ohne roten Faden und den Anspruch auf Richtigkeit oder Sinn, dafür mit viel Gemecker und Bosheit.
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Sonntag, 20. September 2015
Dienstag, 2. Juli 2013
Story: "Im Auftrag der Toten"
Dies ist der Bericht eines von mir verkörperten Charakters des letzten Liverollenspiels, auf dem ich war. Da das Spiel mit den anderen in meiner Gruppe sehr schön war, wollte ich es einmal niederschreiben, was passiert ist, aus der Sicht des erwähnten Charakters, auch wenn er am Ende das Zeitliche gesegnet hat.
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Wie kam es nur dazu? Was hatten wir
erwartet, wie es ausgeht? Wäre auch ein anderes Ende möglich
gewesen, hätte die Macht des falschen Königs gebrochen werden
können? Vielleicht... doch ich sollte am Anfang beginnen.
Die Baroness hatte mich zu sich gerufen
von seltsamen Träumen und Stimmen geplagt, die ihr seit Wochen den
Schlaf raubten. Doch so müde sie auch wirkte, sah ich doch zum
ersten Male seit beinahe einem Jahrzehnt wieder ein dünnes Lächeln
auf ihrem Gesicht, in ihren Augen glitzerte Hoffnung, die sie
eigentlich schon lange begraben hatte. Ihren Verlobten hatte sie im
Schlafe gesehen, er habe sie angesprochen und habe ihr mitgeteilt, es
gäbe eine Möglichkeit für ihn zurück zu kehren aus dem Dunkel des
Todes. Zweifelnd sah ich sie an, sie muss diesen unausgesprochenen
Zweifel erkannt haben, bemühte sie sich doch die Glaubwürdigkeit
ihrer Visionen deutlich zu machen. Ich konnte es kaum glauben und
wollte es doch, zerriss es mir doch jedes Mal aufs Neue das Herz,
wenn ich sie still weinen und trauern sah. Zwar hielt ich diese ganze
Geschichte für suspekt und seltsam, dennoch erklärte ich mich dazu
bereit mit zwei weiteren Getreuen der Anleitung der Stimme zu folgen
und dem verstorbenen Geliebten meiner Herrin zur Hilfe zu eilen, auch
wenn dies möglicherweise eine Falle war und unser Ende bedeuten
würde. Meine Erinnerungen an den Weg zur angegebenen Stelle sind
verschwommen und werden immer undeutlicher. Schon seltsam, wie mein
eigenes Leben in der weltlichen, der mundanen Sphäre in immer
weitere Ferne rückt und ich Mühe habe, mich an das Gesicht der
Baroness zu erinnern, die uns zum Abschied von den Zinnen der Burg
zuwinkte...
Dunkelheit. Dunkelheit und eine Stimme.
Das war es, was ich beim Übergang erlebte. Eine kriecherische
Stimme, die offenbar die Mächte der Verderbnis anrief, voller
Entsetzen fand ich mich in einem rituellen Achtstern wieder, als die
Dunkelheit wich, ein widerlicher kleiner Mann spie allerlei
Beschwörungsformeln und Flüche gegen die guten Götter hervor,
ringsum erkannte ich meine Begleiter und andere, die ich nicht kannte
und die aus fernen Ländern zu stammen schienen. Die Landschaft sah
aus wie ein normaler Wald und dennoch... genauere Blicke offenbarten
Unterschiede, die Art der Bäume hatte ich noch nie gesehen, alles
wirkte auf seltsame Weise künstlich. Das Gefasel des Kultisten
endete und er führte uns, die wir noch ganz perplex und verwirrt vom
Übergang an diesen Ort, „irgendwo im Inferno“, wie uns unser
abscheulicher Ortskundiger mitteilte, an den Hof finsterster
Kreaturen, deren Beschreibung allein eine Gefahr für das Seelenheil
unbescholtener Menschen darstellen würde. Und dort sahen wir ihn...
er war es tatsächlich, der Verlobte meiner Herrin stand vor uns,
sprach und war offenbar überrascht uns zu sehen. Wie es zu erwarten
war, die ganze Sache war eine Falle der anwesenden dämonischen
Wesenheiten.
Was hätten wir tun sollen, wie hätten
wir uns verhalten sollen? Der Wille zum Widerstand war vorhanden bei
uns, die wir doch lebendig an diesen Ort des Schreckens gekommen
waren, doch wir sahen, wie die versammelten Toten, die durch die
Macht unseres unmenschlichen Gastgebers wieder Körper und Verstand
an diesem Ort erhalten hatten, vor jenem das Haupt beugten und sich
auf alles einließen, was er ihnen mit vor Lug und Trug triefender
Stimmer versprach. Zurück ins Leben wollte er jene bringen, die sich
in den Spielen, die er veranstalten wollte, durchsetzten. Selbst
unser Herr, zu dessen Unterstützung wir hergeeilt waren, schien sich
auf diesen schändlichen Handel ein zu lassen, auch wenn wir ihn
warnten und anflehten, den grausamen Anhängern des Weltenvernichters
nicht zu glauben.
Hatte ich dafür 5 Jahre lang im Krieg
gekämpft gegen jene, die uns nun als ihre „Gäste“ zu allerlei
Schandtaten und auch zur Zwietracht untereinander anhielten? Immer
furchtbarer wurden die Spiele, die abgehalten wurde, so gut wir es
konnten, entzogen wir uns, ungläubig mussten wir jedoch mit ansehen,
wie unser Herr offenbar bereit war, den gleichen Weg wie jene
schwachen Seelen einzuschlagen, die all jene Abscheulichkeiten
mitmachten nur für die trügerische Hoffnung auf eine Rückkehr ins
körperliche Leben.
Dann holten sie ihn zu sich, drohten
ihn zu opfern, ihm den Kopf abzuschlagen und diesen buchstäblich als
Spielball zu benutzen. Starr vor Schrecken betrachteten wir die
Szene, sie wollten ihn zwingen einen anderen der Anwesenden zu
benennen, auf das sie ihm diese schreckliche Schändung des Körpers
antun könnten. Doch der Herr blieb standhaft und mit ruhiger Stimme
teilte er den geifernden Dämonen und dem restlichen Abschaum mit,
dass, wenn sie denn jemanden quälen und opfern wollten, sie ihn
nehmen sollten, damit niemand anders dieses Schicksal zu erleiden
hätte. Wir, die wir gekommen waren, ihn zu retten, traten vor um
unsere eigenen Köpfe an seiner statt anzubieten, was unseren Herrn
mit Schrecken erfüllte, wollte er doch nicht, dass jemand für ihn
stürbe. Doch die wankelmütigen Dämonen hatten sich längst für
einen anderen entschieden, den sie quälen und töten könnten und
schickten uns alle wieder weg aus ihrem Thronsaal. Erschüttert, aber
noch nicht gänzlich überzeugt, wollte unser Herr weiter an den
Spielen teilnehmen.
Doch dazu sollte es nicht kommen, denn
an seiner statt wurde der Oger in den Thronsaal geschleppt und auf
den schwarzen Opfertisch in der Mitte des Raumes gebunden. Ich kann
nur vermuten, was sie ihm bereits alles angetan hatten, als sie nach
unserer Heilerin schicken ließen, die die bedauernswerte Kreatur
wieder stabilisieren sollte, damit sie weiter ihre Greueltaten an ihr
verüben konnten. Ich versuche das Bild aus meinem Kopf zu
vertreiben, doch es gelingt mir nicht, ich kann nicht vergessen, wie
die Dämonen und ihr menschliches Gefolge ringsum lachten und sich
amüsierten über die Qualen, die dem Oger zugefügt wurden, wie er
schrie und litt, wie die beiden abscheulichen Kreaturen, die ihn
folterten, mit kalter Stimme den Zuschauern beschrieben, was sie ihm
antaten. Noch schlimmer waren jedoch die Teilnehmer der Spiele, die
Toten, die offenbar inzwischen Gefallen an dem Treiben der Dämonen
gefunden hatten und ebenfalls voll perverser Freude zusahen, wie das
Blut floss. Angewidert wollte ich mich abwenden, doch ich konnte es
nicht, musste die Szene mit versteinerter Miene beobachten. Der
Heilerin gebührt alles Lob ob ihres Mutes: Anstatt zu tun, weshalb
man sie gerufen hatte und die Wunden zu versorgen, sorgte sie
heimlich für das Ableben des Ogers. Während die Dämonen sich noch
über seinen Tod ärgerten und die Leiche weiter verunstalteten,
führte ich sie, über deren Wange die Tränen liefen, schnell aus
dem Raum und zurück zu unserem Herrn.
Er hörte sich erschüttert unseren
Bericht an, selbst jene, die bei ihm saßen, verstummten. Einige Zeit
schwieg unser Herr, dann nickte er, sah uns an und sagte uns, dass
wir recht hätten, es könne keinerlei Kooperation mit den Mächten
der Verderbnis geben und er dankte uns dafür, dass wir ihn wieder
auf den richtigen Weg zurück geführt hätten. Er schien vor unseren
Augen zu wachsen, während er sprach und klar stellte, dass der Zweck
niemals die Mittel heiligen könne und dass wir fortan an keinem der
Spielchen der Kreaturen mehr teilnehmen würden. Zudem gelobte er
alles zu tun um ihre Pläne zu vereiteln oder bei dem Versuch zu
sterben. Ich musste schlucken, war mir doch in diesem Moment
endgültig klar, dass weder er noch wir jemals wieder lebendig zu
seiner Verlobten in die mundane Sphäre zurückkehren würden. Ich
versuchte mich an ihr Lächeln beim Abschied zu dieser Mission zu
erinnern, doch es gelang mir nicht, schon da war meine Erinnerung an
mein Leben getrübt.
Vorbereitungen wurden getroffen.
Verbündete wurden gesucht. Pläne wurden gemacht. Doch sollte es
alles anders kommen... den entscheidenden Moment verpassten wir.
Jener, der den Schlag gegen die Dämonen beginnen sollte, war zu sehr
an seiner eigenen, kleinen Existenz und seinen eigenen, kleinen
Plänen interessiert und ließ uns im Stich um doch wieder nach den
Regeln der Kreaturen zu handeln. Tatenlos mussten wir mit ansehen,
wie die Ereignisse im Thronsaal sich überschlugen und wie der
falsche König auf schändliche Weise über seine Feinde unter den
anderen Kreaturen triumphierte. Hätten wir nun doch nicht handeln
sollen? Hätten wir unser Knie beugen sollen vor den dämonischen
Mächten und all das verraten, wofür wir gekämpft hatten, im Leben
und auch im Tod? Niemals!
Als unser Herr seine Klinge zog, war
unser Schicksal, unser Tod eigentlich bereits beschlossen. Dennoch
folgten wir ihm mit erhobenen Waffen, als er im Namen des wahren
Königs, „für König Warnulf Torwendil!“, seinen Schlachtruf
erschallen ließ und sich auf die Geschöpfe des Feindes warf. Ich
sah tapfere und gute Menschen fallen unter den Hieben und Klingen der
Kreaturen und ihrer menschlichen Diener, ich sah verzweifelten Mut,
als unsere Heilerin, die kaum ihr Schwert heben konnte, die Wachen
des falschen Königs attackierte und während ich mein bestes tat um
meine eigene Haut ebenfalls so teuer wie möglich zu verkaufen,
spürte ich die Hand der Frau des falschen Königs auf meiner
Schulter. Selbst durch meine Rüstung hindurch fühlte ich die Kälte
ihres Griffes, ich hörte gezischte Worte in einer Hexensprache, die
ich nicht verstand, dann trübte sich mein Blick, mein Körper wurde
unbeweglich und verwandelte sich binnen Sekunden in festen, harten
Stein.
Das letzte, was ich sah, war mein Herr,
der sich gegen zwei Angreifer zur Wehr setzte und blutüberströmt
zusammenbrach. Dann wurden auch meine Augen zu Stein und ich sah und
fühlte nichts mehr.
Eine Rückkehr gibt es nicht, weder für
mich noch für einen meiner Begleiter oder für unseren Herrn, für
den wir das ganze getan haben. Dennoch... bin ich nicht von Trauer
erfüllt. Wir haben getan, was getan werden musste, auch wenn es
unser eigenes Leben gekostet hat. Wir haben uns den Dämonen der
Verderbnis entgegen gestellt und uns ihren Spielchen widersetzt, auch
wenn wir sie nicht verhindern konnten. Auch wenn unsere Körper
vernichtet, unsere Seelen verloren sind... wir haben uns nicht von
ihnen korrumpieren lassen. Niemals hätten wir seiner Verlobten,
seinen Freunden oder seinem Vater ins Antlitz blicken können, wäre
er zu dem Preis, den die Kreaturen der Verderbnis forderten, ins
Leben zurück gekehrt.
Ich weiß nicht, warum ich das erzähle.
Ich weiß nicht, wem ich das erzähle. Ich denke nur, so lange mein
Geist noch dazu fähig ist zu denken, dass es erzählt werden muss,
auf dass es nicht in Vergessenheit gerate und auf dass sich
irgendwann vielleicht jemand daran erinnere. Möge es nicht vergessen
werden.
Donnerstag, 11. April 2013
Story: Ein Hauch von Sommer
Das Sonnenlicht glitzerte durch das
dichte Blätterdach über ihm hindurch. Blinzelnd setzte Karl seine
Sonnenbrille auf um nicht weiter geblendet zu werden, dann schaute er
doch kurz auf. Überrascht stellte er fest, dass er nun wohl schon
einige Stunden auf der kleinen Holzbank gesessen und sein Buch
gelesen hatte. Offenbar war die Lektüre doch spannender als der
unscheinbare Einband und der zähe Einstieg in die Geschichte ihn
hatte glauben lassen. Die Sonne war ein gutes Stück weiter gewandert
und hatte auf ihrem unaufhaltsamen Weg nun eine Höhe erreicht, die
für ein unangenehmes Kribbeln in seinem Gesicht sorgte. Etwas
abgelenkt veränderte Karl seinen Sitz auf der Bank leicht, um
weiterhin vom Schatten der Bäume um ihn herum zu profitieren.
Beiläufig pustete er eine kleine schwarze Spinne, die sich offenbar
verirrt hatte, von der geöffneten Seite seines Buches.
Karl liebte es seine freien Tage im
Sommer hier auf dieser abgelegenen Parkbank zu verbringen. Vor
einigen Jahren hatte er sie entdeckt, etwas versteckt von den
Hauptwegen und den großen Liegewiesen, auf denen bei dem schönen
Wetter die Menschen wie Sardinen in der Büchse nebeneinander lagen.
Sofort hatte er diesen kleinen verschwiegenen Ort sehr zu schätzen
gelernt. Er hasste den Lärm und die Hektik, der sich die anderen
offenbar so euphorisch hingaben. Hier konnte er in Ruhe lesen oder
auch einfach nur die Sonne genießen. Nur äußerst selten verirrte
sich ein anderer Spaziergänger hierher und meist verschwanden diese
auch sehr schnell wieder um im Trubel und Gewimmel der Stadt
aufzugehen.
Karl atmete einmal tief durch und
vertiefte sich wieder in sein Buch. Erneut musste er eine Spinne mit
einem leichten Pusten von seiner Seite entfernen, sie landete neben
ihm auf dem Boden. Die Geschichte war sehr spannend geschrieben.
Eigentlich hatte Karl wenig für Horrorromane übrig, zu konstruiert
waren sie oft und zu sehr auf simple Schockeffekte reduziert. Diesmal
war es jedoch anders, der Horror, der Schrecken, das Absonderliche
entwickelte sich langsam, schleichend, aus einer normalen,
alltäglichen Situation heraus, in die immer wieder beunruhigende
Eingriffe von bisher noch unbekannter Seite vorgenommen wurden. Seite
um Seite schien die Welt mehr aus den Fugen zu geraten und all das
ohne bildhafte Beschreibungen von unangenehmen Todesfällen und
blutigen Gewaltexzessen.
Vor dem Umblättern bemerkte Karl nun
schon zum dritten Male am Rand der Seite eine kleine schwarze Spinne.
Genervt schnaufte er, dies war der einzige Nachteil der
Abgeschiedenheit seines Lieblingsplatzes, er wurde von kleinen
Krabbeltieren genau so sehr geschätzt wie von ihm. Etwas verärgert
über die erneute Störung schnippte er das Tier mit seinen Fingern
vom Buch. In kleinem Bogen flog es durch die Luft und prallte dann
vor ihm auf den Kiesweg, wo es mit angezogenen Beinen leblos liegen
blieb. Ein kurzer Stich der Scham und Reue durchzuckte Karl, wie es
oft bei ihm der Fall war, wenn er absichtlich oder unabsichtlich ein
Insekt oder eine Spinne tötete. Kurz blieb sein Blick an dem
offenbar toten Tier auf dem Weg vor ihm kleben, dann widmete er sich
wieder der Geschichte. Eine besonders aufregende Stelle bahnte sich
an, welche seine volle Aufmerksamkeit einfing. Einige Minuten später
lehnte er sich zurück und ließ seinen Blick schweifen. Eine
überraschende Wendung in der Geschichte hatte sich ereignet und Karl
wollte einen Augenblick darüber nachdenken. Scheinbar glitt der
Autor nun mehr und mehr auch in gängigere Horrorklischees ab,
zumindest vermittelte das brutale Ableben eines der Protagonisten
diesen Eindruck.
Etwas überrascht registrierte er am Rande, dass die
tote Spinne verschwunden war. Vielleicht war sie nur betäubt gewesen
oder von irgendeinem anderen der vielen krabbelnden Tiere im Umkreis
gefressen worden.
Schnell hatte sich dieser Gedanke
jedoch wieder verflüchtigt, Karl widmete sich wieder dem Buch auf
seinem Schoß. Er war etwas unschlüssig, ob er weiterlesen sollte.
Er hatte nichts übrig für vor Blut triefende Romane und Filme, er
mochte kein Blut. Selbst bei kleinen Schnittwunden wurde ihm schnell
schwarz vor Augen und allzu schnell ging es ihm ähnlich, wenn er von
Verletzungen oder Todesfällen las. Allerdings hatte er auch die
Angewohnheit ein angefangenes Buch zu Ende zu lesen. Es gab nichts
schlimmeres, als mittendrin abzubrechen und dieser Schande hatte Karl
sich auch erst wenige Male in seinem Leben hingeben müssen, Fälle,
in denen der Autor entweder seitenlang schwafelte ohne das geringste
bisschen Spannung aufzubauen oder die von so unendlicher Langeweile
geprägt waren, dass er kaum eine Seite lesen konnte ohne zu gähnen
oder mit offenen Augen einzuschlafen.
Leise seufzend rückte Karl sich etwas
auf der Bank zurecht und senkte wieder seinen Blick auf das Buch um
weiter zu lesen. Ein leises Kribbeln am linken Arm ließ ihn
zusammenzucken und sich kratzen, dann blätterte er um und folgte dem
Helden der Geschichte tiefer in die Abgründe menschlicher und
unmenschlicher Seelen. Schaudernd las er die Beschreibungen der
nächsten Morde und verfluchte insgeheim seine Besessenheit ein
angefangenes Buch zu beenden. Erneut kribbelte sein Arm und er
kratzte sich, dies riss ihn wieder etwas aus dem Sog des Schreckens
heraus. Karl bemühte sich um Konzentration und las einige weitere
Zeilen, ehe wieder dieses kitzelnde Geräusch, wie von kleinen
Beinchen, die über seinen Arm glitten, zu spüren war. Er zwang sich
dieses Mal nicht zu kratzen, sondern blickte von seiner Lektüre auf
und schaute seinen Arm an. Stirnrunzelnd beobachtete er eine weitere
kleine schwarze Spinne, die sich seinem Ellenbogen näherte. Langsam
und verwundert hob er den Arm und sah, dass das Tier nicht allein
war, sondern offenbar von ihrer Zwillingsschwester begleitet wurde.
Beide krabbelten immer höher und wären vermutlich in seinem Ärmel
verschwunden, hätte Karl sie nicht mit einer schnellen Handbewegung
heruntergefegt.
Eine der beiden schien sich nicht so
einfach abschütteln zu lassen, sondern baumelte an einem kurzen
Faden einige Zentimeter unter Karls Hand. Flink und geübt
erkletterte die Spinne die Hand und wollte sich anscheinend erneut an
ihm hochhangeln. Karl reagierte wie zuvor und versuchte das Tier von
seinem Arm zu pusten. Verblüfft beobachtete er, wie das kleine
Geschöpf seinen Körper runterpresste und seine Beine anlegte um
sich gegen den Luftstoß zu stemmen. Kurz darauf begann es wieder zu
krabbeln und wurde erst durch ein Schnippen seiner Finger vertrieben.
Karl sah sich um und betrachtete die Bank und ihre Umgebung. Etwas
verwundert über die aufdringlichen Spinnen schaute er nach weiteren
ihrer Art, nach einem Netz oder auch Nest, das er vielleicht
unbeabsichtigt beschädigt oder zerstört hatte. Beim Umschauen sah
er ein paar andere schwarze Spinnen, die auf der Bank und dem Boden
ringsum umherkrabbelten. Verwundert und auf seltsame Art beunruhigt
konnte er sehen, dass einige von ihnen offenbar zielgerichtet ihm
zustrebten, als lenke sie eine unbekannter Wunsch oder ein Drang, den
er nicht erkannte. Langsam klappte Karl das Buch zu und erhob sich
von der hölzernen Parkbank und trat einige Schritte zur Seite.
Erschrocken sah er zu, wie die wimmelnden Spinnen, von denen es immer
mehr zu geben schien, die Richtung wechselten und ihm folgten.
Karl entfernte sich langsam von seiner
Lieblingsbank, behielt dabei die Spinnen im Auge. Sie schienen aus
allen Löchern, aus allen Ecken, unter Steinen, Blättern, dem
Unterholz hervorzukriechen und es wurden immer mehr. Der Panik nahe
wandte sich Karl zur Flucht, doch voller Bestürzung erkannte er,
dass auch der Weg hinter ihm voller kleiner schwarzer Spinnen war,
die sich ihm näherten. Für einen Moment erstarrte er, ihm war kalt
und er wünschte sich aus diesem Traum zu erwachen. Einige der
kleinen Tiere begannen an seinen Beinen empor zu klettern. Mit einem
leisen Aufschrei und viel Gezappel streifte er die Spinnen ab, doch
schnell rückten andere nach und erreichten Hüfte und Arme. Zitternd
begann Karl zu laufen, viele der Spinnen wurden einfach von ihm
zertreten, andere krabbelten weiter über seinen Körper, über Arme,
Hände, seinen Hals, sein Gesicht. Keuchend suchte Karl den Rückweg
über den kleinen Pfad, zurück zum Hauptweg, zu den Liegewiesen, zu
anderen Menschen. Doch schienen die Bäume immer näher zu rücken,
schien der Weg eher schmaler und verlassener zu werden. Spinnen, die
über seine Augen krabbelten, machten die Orientierung immer
komplizierter. Fahrig versuchte er sie fortzuwischen, doch
zerquetschte er eine von ihnen nur, so dass er sich Schleim und
Chitinreste in sein linkes Auge rieb. Angeekelt, mit Brechreiz und
mit einem Herzen, das ihm bis zum Hals schlug, stolperte er weiter.
Eine aus dem Boden ragende Wurzel
brachte ihn zum Straucheln und er stürzte, sein Buch entglitt seinem
Griff und landete irgendwo im Unterholz. Hart schlug Karl auf, er
schmeckte Blut auf seiner Zunge und schürfte sich die Hände und
Arme großflächig auf. Kurz wurde ihm gänzlich schwarz vor Augen,
doch die winzigen krabbelnden Beine auf seinem gesamten Körper
holten ihn schnell wieder in die Realität zurück. Ein kurzer Blick
verdeutlichte ihm, dass sich die Zahl der Spinnen noch einmal
vervielfacht hatte. Es wirkte, als würden mehrere hundert von ihnen
über seinen Körper laufen. Sein Blick senkte sich etwas und er sah
die Wunden an Händen und Armen, sah das Blut heraus laufen, fühlte
den Schmerz, der seinen ganzen Körper durchzog. Ächzend richtete er
sich auf, als ein Stechen seinen rechten Arm ergriff. Mit verzerrtem
Gesicht blickte er herab und sah einige Spinnen, die sich den
Abschürfungen genähert hatten und ihre kleinen Beißwerkzeuge in
sein verletztes Fleisch senkten. Schreiend vor Panik schlug er nach
ihnen, was einen neuen Schmerzschub auslöste, als er mit der flachen
Hand die Verletzung traf.
Weitere Bisse durchzuckten wie
Nadelstiche seine Beine und Arme. Auch andere Spinnen hatten begonnen
kleine Fleischbrocken von den Rändern seiner Wunden zu reißen und
zu verspeisen. Mit Tränen in den Augen und schreiend begann Karl
sich am Boden zu wälzen und zu rollen in der Hoffnung möglichst
viele seiner kleinen Peiniger zu zerquetschen. Doch es waren schlicht
zu viele und es schienen immer mehr zu werden, für jeden kleinen
schwarzen Körper, den er abschütteln oder töten konnte, tauchten
drei andere auf, die auf seinen Leib kletterten. Der Schmerz durch
ihre kleinen Kiefer machte ihn schier wahnsinnig, einige weitere
begannen durch verschiedene Körperöffnungen in ihn
hineinzukrabbeln. Bei jedem Schrei drangen mehr Spinnen in seinen
Mund vor, seine Nase verstopfte mehr und mehr, er hörte ihre kleinen
Beine in seinen Ohren krabbeln und kratzen. Sie schienen gezielt
dünne Hautschichten zu suchen und zu versuchen Löcher in seinen
Körper zu beißen. Er spürte das Zwicken und Kneifen an seinen
Lidern, seinen Lippen, seinen Ohrläppchen. Das letzte, was er jemals
sah, war seine Lieblingsbank einige Meter von ihm entfernt, davor die
Silhouetten von vielen achtbeinigen Wesen, die über seine Augen
krabbelten, bevor sich gnadenlose hungrige Beißwerkzeuge in seine
Augäpfel senkten und sie aus ihren Höhlen fraßen.
Schreiend vor Schmerzen, griff er
immer wieder um sich, erschlug und zerquetschte Spinne um Spinne,
doch machte es scheinbar keinerlei Unterschied. Immer weiter drangen
sie vor und fraßen sich geradezu in seinen Körper hinein. Karl
versuchte mehrfach wieder aufzustehen und sich weiter zu schleppen,
doch jedes Mal brach er nach wenigen Schritten wieder zusammen vor
lauter Pein. Schließlich war nur noch ein Winseln und Jammern aus
seinem Mund zu hören, der voller Spinnen war, die Brocken aus seinem
Zahnfleisch bissen und rissen, während das Blut in Strömen aus
vielen kleinen Wunden an seinem ganzen Körper lief. Bis zuletzt, bis
er aufgrund des Blutverlustes aus dem Leben glitt, spürte er das
enervierende Krabbeln und das schmerzhafte Beißen der kleinen
schwarzen Spinnen, die zu tausenden aus dem Unterholz gekommen war,
hoffte, dass jemand ihn hören und retten würde.
Als das Schreien schließlich erstarb
und als die Kreaturen, gesättigt vom Blut und Fleisch Karls, wieder
in der Dunkelheit zwischen den Bäumen und im Unterholz verschwanden,
blieben nur einige abgeschälte Knochen sowie ein blutverschmiertes
Buch am Ort des Geschehens zurück. Ruhe kehrte wieder ein, nur von
fern drang der Lärm der spielenden Kinder und der Sonnenanbeter
herüber, die sich auf der Liegewiese im Licht zusammendrängten.
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