Sonntag, 6. April 2014

Schreibarbeit unter erschwerten Bedingungen

Kinder... manchmal bin ich sehr froh keine zu haben und die wenigen in meinem Umfeld auch immer nur für eine sehr kurze Zeit ertragen zu müssen. Sie sind sicher niedlich und bisweilen auch amüsant und liebenswert, aber sie zeigen auch immer wieder ihre anstrengenden Seiten... wenn sie beispielsweise, wie jetzt in diesem Augenblick, alle paar Minuten die Tür zum Schlafzimmer, in das ich mich zurückgezogen habe um trotz des unerwarteten Besuchs etwas schreiben zu können, öffnen, hereinkommen um Nonsens zu reden, den Raum wieder verlassen und die Tür geräuschvoll schließen. So habe ich in kürzester Zeit allerlei Wissenswertes erfahren, von dem ich gar nicht wusste, dass mir diese Informationen fehlen, während ich versuchen muss dem Kind genug Aufmerksamkeit zu geben um ab und zu zumindest ein zustimmendes Brummen als Partizipation an der recht einseitigen Konversation zustande zu bringen.

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Faszinierend ist wieder einmal die Tatsache, dass die Eltern des Kindes sich ungefähr gar nicht für die Aktivitäten ihrer Nachkommenschaft interessieren. Anscheinend vermisst es auch niemand, bisher gab es zumindest keine Anzeichen dafür, dass jemand schaut, wo es steckt und was es tut. Vermutlich atmen die Erzeuger gerade unbewusst etwas auf, weil sie eine lange vermisste Ruhe empfinden, da ihr Kind sich nicht im gleichen Raum aufhält.

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Natürlich bin ich auch wieder selbst schuld, könnte ich sie doch einfach raus schicken. Wenn man nicht einmal einer Vierjährigen sagen kann, dass sie stört und gehen soll, dann ist es offensichtlich nicht so weit her mit der Bestimmtheit. Andererseits muss man natürlich auch keine Energie in einen Konflikt investieren, der eigentlich nicht notwendig ist. Vermutlich wird ihr ohnehin gleich langweilig werden, so dass sie einen anderen Raum aufsucht, was das Problem dann löst. Die geringe Aufmerksamkeitsspanne und Wankelmütigkeit des Kindes sind wohl meine besten Verbündeten.

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Tatsächlich ist es weitergezogen und marodiert nun durch andere Bereiche der Wohnung. Was bleibt sind eine Konstruktion aus Holzspielzeug auf dem Boden, der Wunsch nach einem Schlüssel fürs Schlafzimmer und die Gewissheit in absehbarer Zukunft keinen eignen Nachwuchs produzieren zu wollen.

Donnerstag, 20. März 2014

Story: Bekenntnisse eines Suizidalen

Guten Tag. Mein Name ist Jan und ich bin, wenn Sie dies lesen, soeben von einem Hochhaus gesprungen. Ich wurde nicht gestoßen, niemand hat mich gezwungen dies zu tun, ich habe aus freien Stücken und im (vielleicht nicht vollen) Besitz meiner geistigen Kräfte entschieden meinem Leben ein Ende zu machen. Es gibt viele Worte dafür: Selbstmord, Freitod, Selbsttötung... ich persönlich bevorzuge „Suizid“. Es wirkt gleich viel gebildeter, wenn das Wort, das man verwendet, aus dem Latein kommt und es verschleiert auf diese Weise auch noch wunderbar die gewalttätige Endgültigkeit der Handlung.

Ich nehme im Sturz Fahrt auf, ich spüre den Wind auf meiner Haut und sehe das oberste Stockwerk an mir vorbeirauschen. Interessant, dass ich Ihnen das noch immer mitteilen kann, was? Auch wenn der Weg nach unten der letzte Moment meines Lebens sein mag, so zieht er sich doch hin wie Kaugummi, Sekunden werden zu Minuten, Minuten zu Stunden und ich falle und falle. Ich kann unten den Grund sehen, der sich nähert, die Höhe des Gebäudes habe ich bewusst gewählt, ich wollte sicher gehen, dass nichts falsch läuft. Kurz schießt mir der Gedanke durch den Kopf, ob ich wohl bis unten die maximale Fallgeschwindigkeit erreichen werde. Erinnerungen an den Physikunterricht erscheinen vor meinem geistigen Auge, doch ich weiß nur noch, dass es mit der Masse des fallenden Gegenstandes und der zurückgelegten Entfernung zusammenhängt. Fallender Gegenstand. Das bin ich dann nun wohl auch. Ein physikalisches Experiment.

Ich hatte ein wenig den Film meines Lebens erwartet, der während des Sturzes abläuft. Ich bin nicht sonderlich enttäuscht, dass die Vorstellung ausbleibt. Hätte ich ein bemerkenswertes Leben voller filmwürdiger Highlights gehabt, wäre ich wohl nicht gesprungen, eine Wiederholung meines vielfachen Versagens ist nicht in meinem Interesse. So viele Fenster, so viele Stockwerke, die an mir vorbei sausen. Wer mag dahinter wohl leben, wie mag es diesen Menschen gehen? Ob einer von ihnen meinen Sturz bemerkt? Nun regt sich doch ein schlechtes Gewissen in mir, denn mir wird bewusst, dass jemand die Sauerei, die ich gleich da unten anrichten werde, entdecken und jemand sie auch entfernen muss, zwei Aufgaben, die sicherlich nicht viel Freude bereiten. Es ist ein selbstsüchtiger Schritt, den ich da gegangen bin, doch es gibt einige Schritte im Leben, die man nur vorwärts, aber niemals zurück gehen kann.

Der Boden kommt nun rasant näher, ich erkenne bereits die Pflastersteine, die gleich meinen Schädel zum Platzen bringen werden. Zumindest hoffe ich das, es erschien mir als die schnellste Lösung mit dem Kopf voran zu fallen, ein Aufprall und ein möglichst unmittelbares Ende. Doch ich merke, dass der Plan wohl nicht so ganz aufgeht, mein Körper fällt nicht etwa gerade sondern ist ins Schlingern geraten. Ich drehe mich bei meinem Sturz und kann nun nicht mehr sicher sagen, welcher Teil meines Körpers zuerst aufschlagen wird. Das habe ich so nicht gewollt, doch ich gehe davon aus, dass es egal ist, der Aufprall dürfte auf jeden Fall tödlich enden. Auf die eine oder die andere Weise.

Der Wind zerzaust mein Haar und ich spüre ein Frösteln, es ist kalt hier an der Luft. Aber die Kälte wird bald vergehen. Ich denke an meine Freunde und meine Familie, für die ich Abschiedsbriefe hinterlegt habe. Zwar war der Schritt halbwegs spontan, doch habe ich schon lange mit dem Gedanken gespielt, es war dann keine große Sache alles so in die Wege zu leiten, wie ich es mir vorgestellt hatte. Wie werden sie wohl darauf reagieren, wie wird ihr Leben weitergehen? Bei den meisten wird sich wohl wenig ändern, ich kann mir denken, dass es sie nicht sonderlich trifft. Einige werden wohl eher wütend sein als traurig und mich hassen für das, was ich hier gerade tue. Und einige... ich sehe zwei Gesichter vor mir, aufgelöst in Tränen. Für sie wird das Leben nie mehr so sein, wie es war, ich tue ihnen sehr weh. Ich schlucke, es ist schwer, ich habe einen Kloß im Hals.

Ich versuche diese Gedanken zu vertreiben, doch sie haben sich festgesetzt. Kennen Sie das, wenn Sie krampfhaft versuchen nicht an etwas bestimmtes zu denken? Ziemlich sicher gelingt das nicht. Was mache ich hier, was fällt mir ein? Selbstbestimmung über sein eigenes Leben und seinen eigenen Tod ist ja schön und gut, aber ich mache hier mehr kaputt als nur meinen Körper. Ich liebe diese Menschen und will nicht dass es ihnen schlecht geht, ich hätte niemals springen sollen, ich... ich schlage auf. Der Aufprall drückt mir alle Luft aus dem Körper, es tut höllisch weh, auch wenn ich gehofft hatte, dass ich das nicht mehr spüre. Knochen bersten, mein Blut spritzt überall hin, Organe werden zerquetscht, die Schmerzen steigern sich ins Unermessliche. Und dann öffne ich die Augen.

Ich sehe nach unten, trete zügig einen Schritt von der Kante des Daches zurück. Ich zittere am ganzen Körper, während ich tief durchatme und versuche mich zu beruhigen. Ich weiß nicht, wie lange ich hier schon stand, wie jedes Mal habe ich mein Zeitgefühl verloren. „Ich werde auch heute nicht springen!“ Die Worte kommen erst sehr leise, ich muss mich räuspern, und wiederhole sie noch einmal, lauter, klarer, deutlicher. Während ich mich weiter vom Dach zurückziehe und mich der Treppe nach unten nähere, kann ich wieder besser atmen, spüre das Sonnenlicht auf der Haut und höre den Lärm der Stadt dort unter mir. Ich nicke dem Rand zu, meiner Hassliebe, und murmele „Bis morgen“. Vielleicht auch erst übermorgen oder nächste Woche. Wer weiß schon, was kommen wird?

Mittwoch, 12. März 2014

Egoismus oder lieber nicht?

Kann es richtig sein etwas zu tun, nur weil man es wirklich sehr gerne tun will, auch wenn andere Menschen möglicherweise Einschränkungen dadurch ertragen müssen? Es wird von allen immer und überall erwartet, dass sie selbstlos und edel handeln, dass sie nicht an sich selbst, sondern nur an ihre Mitmenschen denken... ist das überhaupt realistisch oder geht man davon kaputt? Oder sind solche Gedanken nur ein Versuch der Rechtfertigung, der Absolution des eigensüchtigen Wunsches? Ich bin ein wenig überfordert mit dem, was ich will.

Donnerstag, 20. Februar 2014

Seltsam glücklich

Ist der emotionale Glückszustand vielleicht auf einem Kreis und nicht auf einer geraden Linie zu messen? Kann man so tief in düstere Gedanken und Depression versinken, dass man auf der anderen Seite, fröhliche Zufriedenheit, wieder herauskommt?
Oder ist es eher Akzeptanz, Galgenhumor, heitere Gelassenheit im Angesicht des Abgrundes, der jeden Schrecken verloren hat, weil man zu oft in ihn hinabgestiegen ist?
Was es auch sein mag, es fühlt sich auf befremdliche Weise gut an.
Was leicht gestiegene Temperaturen, etwas mehr Sonneneinstrahlung und laute Musik in den Ohren doch bewirken können.

Dienstag, 4. Februar 2014

Der Moment

Kennst du den Moment des Kontrollverlustes?
Es ist der Moment, in dem du schreien, weinen und um dich schlagen möchtest, weil dir sämtliche Zügel entglitten sind.

Kennst du den Moment der Kapitulation?
Es ist der Moment, in dem du keine Kraft mehr hast, nicht mehr kämpfen kannst und willst und nur noch aufgeben willst.

Kennst du den Moment, in dem du dir nur noch das Ende wünschst?
Es ist der Moment, in dem du das Unaussprechliche tun würdest, in dem du diesen Augenblick zu deinem letzten zu machen bereit bist, nur um endlich Frieden zu empfinden.

Du wirst es niemals tun, dein Verstand schützt dich davor...
… und doch will dieser Wunschgedanke nicht vergehen.

Du kennst die Techniken, die Gegenmaßnahmen, die dich aus der Dunkelheit ziehen sollen...
… und doch funktionieren sie anscheinend in diesem Moment nicht.

Du bist dir im Klaren darüber, dass du jemandem zum Reden brauchst, dass dies vernünftig wäre...
… und doch schämst du dich deiner Gedanken, deiner Stimmung zu sehr.

Du weißt, dass dieser Moment vergänglich ist, dass er bald vorbei sein wird, denn du hattest ihn schon häufiger...
… und doch fühlt es sich an, als zöge er sich bis in die Unendlichkeit.

Kennst du diesen Moment?

- Ja, ich kenne ihn. -

Samstag, 25. Januar 2014

Geläster

Menschen haben die, oftmals unangenehme, Angewohnheit über ihre Artgenossen zu reden, zu lästern und auch gerne mal in Abwesenheit der jeweiligen Person kein gutes Haar an derselben zu lassen. Das muss man nicht mögen, viel dagegen unternehmen kann man aber wohl auch nicht, das ganze scheint ganz normal und natürlich zu sein, wenn es auch bei einigen ein deutlich ausgeprägteres Verhalten ist, als bei anderen.

Nun kann es dem Betroffenen eigentlich vollkommen egal sein, wenn Personen, die ohnehin nicht oder nicht mehr Teil des eigenen Lebens sind, hinter dem Rücken seltsame Geschichten und Bösartigkeiten erzählen, zeigt so etwas doch eigentlich eher die Unzulänglichkeiten dessen, der diese Art von Lästereien betreibt. Ganz rational betrachtet kann man ja davon ausgehen, dass die Folgen für einen selbst eher überschaubar sind.

Freunde, die einem nahestehen, werden solchem Gerede ohnehin wenig Beachtung schenken.

Menschen, die das ganze hinterfragen, werden in der Lage sein sich auch die andere Seite anzuhören und werden den Betroffenen dann um eine Stellungnahme bitten, bei der man die Sache klarstellen kann.

Um all jene, die aufgrund von Geläster sich wortlos aus dem Kontaktkreis verabschieden, weil sie dieses stumpf akzeptieren, ist es eigentlich nicht schade.

Und doch...

Und doch ist es unangenehm zu hören, dass Menschen aus der Vergangenheit die ziemlich bösartigen Ansichten ihrer eigenen kleinen Welt über einen selbst verbreiten. Es gibt mehrere Gründe, aus denen dies unangenehm sein kann, angefangen bei der Tatsache, dass man es unangenehm findet, es unangenehm zu finden, obwohl man ja eigentlich aus den genannten rationalen Gedanken mit entspanntem Desinteresse reagieren sollte. Dazu kommt eine vielleicht unbewusste Angst, dass nahestehende Menschen eben doch die auf diese Art verbreitete Propaganda glauben könnten und dass man sie verlieren könnte. Harmoniebedürfnis, Zorn auf die Lästerer ohne Möglichkeit dem Abhilfe zu schaffen, gekränkter Stolz, Gerechtigkeitsempfinden und auch die enttäuschte Hoffnung gewisse Dinge endlich hinter sich gelassen zu haben... all das kommt wohl noch dazu und sorgt dann für schlaflose Nächte und zielloses Grübeln über die Welt und den eigenen Platz darin.

Letztlich bleibt aber nur, wie so oft, ein überlegter und logischer Umgang mit der Situation. Höflich, ruhig und gefasst reagieren, denn, wie geschrieben, es ist nun einmal vollkommen normal, dass Menschen lästern. Und wenn man es nicht übertreibt, kann es sogar Spaß machen.

Donnerstag, 16. Januar 2014

Wache Träume

Vielleicht haben das auch schon andere erlebt: Seltsame Situationen reihen sich aneinander, Personen verhalten sich seltsam und alles wirkt irgendwie irreal, bis dann plötzlich die klare und deutliche Erkenntnis zuschlägt: „Ich schlafe... dies ist ein Traum!“ In den meisten Fällen sorgt dieses mentale Augenöffnen auch für ein körperliches und man erwacht, in einigen Ausnahmen verbleibt man jedoch im Schlaf und das Traumerlebnis setzt sich fort. Man ist nun vielleicht mit mäßigem Erfolg bemüht seinen Traum zu beeinflussen und Dinge zu tun, die man noch nie getan hat, doch bleibt meist nur ein etwas schales Gefühl zurück etwas verpasst zu haben. Egal ob man bei der ersten Erkenntnis oder erst später erwacht, man hofft doch stets, dass man, wenn dies erneut passieren sollte, sich selbst besser unter Kontrolle hat und alles anders macht... man hätte doch tun können, was man will.

Ist dieser Gedanke nicht eigentlich ein bisschen traurig? Warum ist es notwendig, dass man einen Wachtraum erlebt um endlich das zu tun, was man will? Können wir nicht in unserem wirklichen Leben unsere Träume ausleben... oder zumindest einen Teil davon? Sind wir so sehr in Verpflichtungen und Alltagstrott gefangen, dass nichts für uns und von uns übrig bleibt?

Natürlich bleiben manche Dinge allein der Traumwelt vorbehalten: Niemand von uns wird jemals aus eigener Kraft fliegen können, übermenschliche Kräfte entwickeln oder mit Fabelwesen sprechen. Doch auch die vielen kleinen, einfachen Dinge, die man erreichen kann, bleiben bei so vielen auf ihre Träume beschränkt und werden niemals in die Realität umgesetzt. Ist es Angst, Trägheit oder Gewohnheit, dass wir uns in unserem wahren Leben selbst beschränken und fesseln und uns alle Mühe geben immer auf dem sichersten und am meisten ausgetretenen Pfad zu wandeln? Vermutlich eine Mischung aus allem.

Vielleicht ist es an der Zeit mehr zu wagen und das Abenteuer der Traumwelt von Zeit zu Zeit auch in den Alltag einzuflechten. Niemand sollte sich jetzt dazu aufgefordert fühlen nackt durch die Straßen zu laufen oder von Häusern zu springen... aber vielleicht reicht es ja schon den Mut aufzubringen das rothaarige Mädchen anzusprechen.

Montag, 6. Januar 2014

Nachdenklich

Bin ich doch mehr Teil des Problems als der Lösung? 
Dass dies für mein eigenes Leben zutrifft, weiß ich schon lange, zu sehr stehe ich mir selbst immer wieder im Weg... aber scheinbar beschränkt sich diese Tatsache nicht nur auf mich.
Schon spannend, was ein paar simple getippte Worte in mir anrichten.
Aber ich habe es wohl auch provoziert.