Dienstag, 2. Juli 2013

Story: "Im Auftrag der Toten"

Dies ist der Bericht eines von mir verkörperten Charakters des letzten Liverollenspiels, auf dem ich war. Da das Spiel mit den anderen in meiner Gruppe sehr schön war, wollte ich es einmal niederschreiben, was passiert ist, aus der Sicht des erwähnten Charakters, auch wenn er am Ende das Zeitliche gesegnet hat.

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Wie kam es nur dazu? Was hatten wir erwartet, wie es ausgeht? Wäre auch ein anderes Ende möglich gewesen, hätte die Macht des falschen Königs gebrochen werden können? Vielleicht... doch ich sollte am Anfang beginnen.

Die Baroness hatte mich zu sich gerufen von seltsamen Träumen und Stimmen geplagt, die ihr seit Wochen den Schlaf raubten. Doch so müde sie auch wirkte, sah ich doch zum ersten Male seit beinahe einem Jahrzehnt wieder ein dünnes Lächeln auf ihrem Gesicht, in ihren Augen glitzerte Hoffnung, die sie eigentlich schon lange begraben hatte. Ihren Verlobten hatte sie im Schlafe gesehen, er habe sie angesprochen und habe ihr mitgeteilt, es gäbe eine Möglichkeit für ihn zurück zu kehren aus dem Dunkel des Todes. Zweifelnd sah ich sie an, sie muss diesen unausgesprochenen Zweifel erkannt haben, bemühte sie sich doch die Glaubwürdigkeit ihrer Visionen deutlich zu machen. Ich konnte es kaum glauben und wollte es doch, zerriss es mir doch jedes Mal aufs Neue das Herz, wenn ich sie still weinen und trauern sah. Zwar hielt ich diese ganze Geschichte für suspekt und seltsam, dennoch erklärte ich mich dazu bereit mit zwei weiteren Getreuen der Anleitung der Stimme zu folgen und dem verstorbenen Geliebten meiner Herrin zur Hilfe zu eilen, auch wenn dies möglicherweise eine Falle war und unser Ende bedeuten würde. Meine Erinnerungen an den Weg zur angegebenen Stelle sind verschwommen und werden immer undeutlicher. Schon seltsam, wie mein eigenes Leben in der weltlichen, der mundanen Sphäre in immer weitere Ferne rückt und ich Mühe habe, mich an das Gesicht der Baroness zu erinnern, die uns zum Abschied von den Zinnen der Burg zuwinkte...

Dunkelheit. Dunkelheit und eine Stimme. Das war es, was ich beim Übergang erlebte. Eine kriecherische Stimme, die offenbar die Mächte der Verderbnis anrief, voller Entsetzen fand ich mich in einem rituellen Achtstern wieder, als die Dunkelheit wich, ein widerlicher kleiner Mann spie allerlei Beschwörungsformeln und Flüche gegen die guten Götter hervor, ringsum erkannte ich meine Begleiter und andere, die ich nicht kannte und die aus fernen Ländern zu stammen schienen. Die Landschaft sah aus wie ein normaler Wald und dennoch... genauere Blicke offenbarten Unterschiede, die Art der Bäume hatte ich noch nie gesehen, alles wirkte auf seltsame Weise künstlich. Das Gefasel des Kultisten endete und er führte uns, die wir noch ganz perplex und verwirrt vom Übergang an diesen Ort, „irgendwo im Inferno“, wie uns unser abscheulicher Ortskundiger mitteilte, an den Hof finsterster Kreaturen, deren Beschreibung allein eine Gefahr für das Seelenheil unbescholtener Menschen darstellen würde. Und dort sahen wir ihn... er war es tatsächlich, der Verlobte meiner Herrin stand vor uns, sprach und war offenbar überrascht uns zu sehen. Wie es zu erwarten war, die ganze Sache war eine Falle der anwesenden dämonischen Wesenheiten.

Was hätten wir tun sollen, wie hätten wir uns verhalten sollen? Der Wille zum Widerstand war vorhanden bei uns, die wir doch lebendig an diesen Ort des Schreckens gekommen waren, doch wir sahen, wie die versammelten Toten, die durch die Macht unseres unmenschlichen Gastgebers wieder Körper und Verstand an diesem Ort erhalten hatten, vor jenem das Haupt beugten und sich auf alles einließen, was er ihnen mit vor Lug und Trug triefender Stimmer versprach. Zurück ins Leben wollte er jene bringen, die sich in den Spielen, die er veranstalten wollte, durchsetzten. Selbst unser Herr, zu dessen Unterstützung wir hergeeilt waren, schien sich auf diesen schändlichen Handel ein zu lassen, auch wenn wir ihn warnten und anflehten, den grausamen Anhängern des Weltenvernichters nicht zu glauben.

Hatte ich dafür 5 Jahre lang im Krieg gekämpft gegen jene, die uns nun als ihre „Gäste“ zu allerlei Schandtaten und auch zur Zwietracht untereinander anhielten? Immer furchtbarer wurden die Spiele, die abgehalten wurde, so gut wir es konnten, entzogen wir uns, ungläubig mussten wir jedoch mit ansehen, wie unser Herr offenbar bereit war, den gleichen Weg wie jene schwachen Seelen einzuschlagen, die all jene Abscheulichkeiten mitmachten nur für die trügerische Hoffnung auf eine Rückkehr ins körperliche Leben.

Dann holten sie ihn zu sich, drohten ihn zu opfern, ihm den Kopf abzuschlagen und diesen buchstäblich als Spielball zu benutzen. Starr vor Schrecken betrachteten wir die Szene, sie wollten ihn zwingen einen anderen der Anwesenden zu benennen, auf das sie ihm diese schreckliche Schändung des Körpers antun könnten. Doch der Herr blieb standhaft und mit ruhiger Stimme teilte er den geifernden Dämonen und dem restlichen Abschaum mit, dass, wenn sie denn jemanden quälen und opfern wollten, sie ihn nehmen sollten, damit niemand anders dieses Schicksal zu erleiden hätte. Wir, die wir gekommen waren, ihn zu retten, traten vor um unsere eigenen Köpfe an seiner statt anzubieten, was unseren Herrn mit Schrecken erfüllte, wollte er doch nicht, dass jemand für ihn stürbe. Doch die wankelmütigen Dämonen hatten sich längst für einen anderen entschieden, den sie quälen und töten könnten und schickten uns alle wieder weg aus ihrem Thronsaal. Erschüttert, aber noch nicht gänzlich überzeugt, wollte unser Herr weiter an den Spielen teilnehmen.

Doch dazu sollte es nicht kommen, denn an seiner statt wurde der Oger in den Thronsaal geschleppt und auf den schwarzen Opfertisch in der Mitte des Raumes gebunden. Ich kann nur vermuten, was sie ihm bereits alles angetan hatten, als sie nach unserer Heilerin schicken ließen, die die bedauernswerte Kreatur wieder stabilisieren sollte, damit sie weiter ihre Greueltaten an ihr verüben konnten. Ich versuche das Bild aus meinem Kopf zu vertreiben, doch es gelingt mir nicht, ich kann nicht vergessen, wie die Dämonen und ihr menschliches Gefolge ringsum lachten und sich amüsierten über die Qualen, die dem Oger zugefügt wurden, wie er schrie und litt, wie die beiden abscheulichen Kreaturen, die ihn folterten, mit kalter Stimme den Zuschauern beschrieben, was sie ihm antaten. Noch schlimmer waren jedoch die Teilnehmer der Spiele, die Toten, die offenbar inzwischen Gefallen an dem Treiben der Dämonen gefunden hatten und ebenfalls voll perverser Freude zusahen, wie das Blut floss. Angewidert wollte ich mich abwenden, doch ich konnte es nicht, musste die Szene mit versteinerter Miene beobachten. Der Heilerin gebührt alles Lob ob ihres Mutes: Anstatt zu tun, weshalb man sie gerufen hatte und die Wunden zu versorgen, sorgte sie heimlich für das Ableben des Ogers. Während die Dämonen sich noch über seinen Tod ärgerten und die Leiche weiter verunstalteten, führte ich sie, über deren Wange die Tränen liefen, schnell aus dem Raum und zurück zu unserem Herrn.

Er hörte sich erschüttert unseren Bericht an, selbst jene, die bei ihm saßen, verstummten. Einige Zeit schwieg unser Herr, dann nickte er, sah uns an und sagte uns, dass wir recht hätten, es könne keinerlei Kooperation mit den Mächten der Verderbnis geben und er dankte uns dafür, dass wir ihn wieder auf den richtigen Weg zurück geführt hätten. Er schien vor unseren Augen zu wachsen, während er sprach und klar stellte, dass der Zweck niemals die Mittel heiligen könne und dass wir fortan an keinem der Spielchen der Kreaturen mehr teilnehmen würden. Zudem gelobte er alles zu tun um ihre Pläne zu vereiteln oder bei dem Versuch zu sterben. Ich musste schlucken, war mir doch in diesem Moment endgültig klar, dass weder er noch wir jemals wieder lebendig zu seiner Verlobten in die mundane Sphäre zurückkehren würden. Ich versuchte mich an ihr Lächeln beim Abschied zu dieser Mission zu erinnern, doch es gelang mir nicht, schon da war meine Erinnerung an mein Leben getrübt.

Vorbereitungen wurden getroffen. Verbündete wurden gesucht. Pläne wurden gemacht. Doch sollte es alles anders kommen... den entscheidenden Moment verpassten wir. Jener, der den Schlag gegen die Dämonen beginnen sollte, war zu sehr an seiner eigenen, kleinen Existenz und seinen eigenen, kleinen Plänen interessiert und ließ uns im Stich um doch wieder nach den Regeln der Kreaturen zu handeln. Tatenlos mussten wir mit ansehen, wie die Ereignisse im Thronsaal sich überschlugen und wie der falsche König auf schändliche Weise über seine Feinde unter den anderen Kreaturen triumphierte. Hätten wir nun doch nicht handeln sollen? Hätten wir unser Knie beugen sollen vor den dämonischen Mächten und all das verraten, wofür wir gekämpft hatten, im Leben und auch im Tod? Niemals!

Als unser Herr seine Klinge zog, war unser Schicksal, unser Tod eigentlich bereits beschlossen. Dennoch folgten wir ihm mit erhobenen Waffen, als er im Namen des wahren Königs, „für König Warnulf Torwendil!“, seinen Schlachtruf erschallen ließ und sich auf die Geschöpfe des Feindes warf. Ich sah tapfere und gute Menschen fallen unter den Hieben und Klingen der Kreaturen und ihrer menschlichen Diener, ich sah verzweifelten Mut, als unsere Heilerin, die kaum ihr Schwert heben konnte, die Wachen des falschen Königs attackierte und während ich mein bestes tat um meine eigene Haut ebenfalls so teuer wie möglich zu verkaufen, spürte ich die Hand der Frau des falschen Königs auf meiner Schulter. Selbst durch meine Rüstung hindurch fühlte ich die Kälte ihres Griffes, ich hörte gezischte Worte in einer Hexensprache, die ich nicht verstand, dann trübte sich mein Blick, mein Körper wurde unbeweglich und verwandelte sich binnen Sekunden in festen, harten Stein.

Das letzte, was ich sah, war mein Herr, der sich gegen zwei Angreifer zur Wehr setzte und blutüberströmt zusammenbrach. Dann wurden auch meine Augen zu Stein und ich sah und fühlte nichts mehr.

Eine Rückkehr gibt es nicht, weder für mich noch für einen meiner Begleiter oder für unseren Herrn, für den wir das ganze getan haben. Dennoch... bin ich nicht von Trauer erfüllt. Wir haben getan, was getan werden musste, auch wenn es unser eigenes Leben gekostet hat. Wir haben uns den Dämonen der Verderbnis entgegen gestellt und uns ihren Spielchen widersetzt, auch wenn wir sie nicht verhindern konnten. Auch wenn unsere Körper vernichtet, unsere Seelen verloren sind... wir haben uns nicht von ihnen korrumpieren lassen. Niemals hätten wir seiner Verlobten, seinen Freunden oder seinem Vater ins Antlitz blicken können, wäre er zu dem Preis, den die Kreaturen der Verderbnis forderten, ins Leben zurück gekehrt.

Ich weiß nicht, warum ich das erzähle. Ich weiß nicht, wem ich das erzähle. Ich denke nur, so lange mein Geist noch dazu fähig ist zu denken, dass es erzählt werden muss, auf dass es nicht in Vergessenheit gerate und auf dass sich irgendwann vielleicht jemand daran erinnere. Möge es nicht vergessen werden.

Sonntag, 16. Juni 2013

Hoffnungsvolle Tage




Ich hatte auf einen erfreulichen und angenehmen Tag gehofft. Aber, wie uns die höchst bösartige, fantastische Welt eines bekannten Tabletop- und Rollenspieles lehrt, „Hoffnung ist der erste Schritt auf der Straße zur Enttäuschung“. Wie ist es dazu gekommen, dass meine Laune von leicht euphorisch und positiv auf wütend und frustriert umschwenken konnte? Wäre die arme, alte Frau, deren Koffer ich heute Morgen hilfsbereit am Bahnhof die Treppe herunter getragen habe, am Abend auf der Rückfahrt wieder erschienen, der Sinn hätte mir eher danach gestanden, ihr Gepäck auf die Schienen zu werfen. Ihr Wunsch nach einem schönen Sonntag hat sich jedenfalls nicht erfüllt. Doch meistens hilft es ja, die Gedanken einmal nieder zu schreiben und zu ordnen, somit sollen zunächst einmal jene Dinge, die für den Stimmungswechsel gesorgt haben, notiert werden:


1.       Die Laune meiner Begleitung. Sicherlich ist es sehr unfair von mir, bin ich doch normalerweise der mürrische und schlecht gelaunte, der ertragen und aufgeheitert werden muss, doch macht es diese Tatsache nicht unbedingt einfacher. Schlechte Stimmung ist ansteckend und kann einen Menschen schon runter ziehen, auch wenn man sich ausnahmsweise Mühe gibt, die Dinge positiv zu sehen. So wurde es dann auch immer anstrengender optimistisch an die Ereignisse heran zu gehen, bis dann irgendwann der „normale“, grummelnde Zustand erreicht war und sich wieder fest setzte.

2.       Der realistische Blick auf die Veranstaltung im Allgemeinen und das Projekt im Speziellen. Alle guten Hoffnungen nützen nichts, wenn sie sich nicht erfüllen. Letztlich kann man nur sagen, dass es schlecht organisiert war, dass der Begriff „repräsentativ“ ungenügend umgesetzt wurde und dass das Verhalten vieler Teilnehmer unterirdisch war. Wie üblich wurden die großen Reden im Vorfeld durch die Taten ad absurdum geführt, stattdessen hat sich die Masse keine oder kaum Mühe gegeben und nur auf freien Eintritt spekuliert.

3.       Das mangelhafte eigene Zeitmanagement. Mehr Zeit verbringen mit speziellen Menschen, das war eigentlich ein Teil der persönlichen Tagesplanung. Es kam nicht dazu, weil man sich an verschiedenen Orten der Veranstaltung aufhielt, weil ich damit beschäftigt war, den jämmerlichen Aufbau und die Ausstattung vor den Elementen zu schützen und mich zu langweilen, weil ich offensichtlich unnötigerweise eine gewisse Verantwortung für die Sache verspürte, die mich davon abhielt zu tun, wonach mir der Sinn stand. So blieb es dann bei einem „Hallo“ und einem „Auf Wiedersehen“.


Letztlich sind dies, wenn man das Ganze auf den Kern herunter bricht, die Gründe für die Missstimmung. Und letztlich sind sie, bis auf den ersten, der seinen Ursprung zu einem großen Teil auch im zweiten hatte, genau so eingetreten, wie es zu befürchten war. Im Grunde kann man sagen, dass die eigenen Erwartungen zu hoch gesetzt waren und dass zu viel Einsatz für eine von vorn herein verlorene Sache gezeigt wurde. Da diese Ereignisse nun der Vergangenheit angehören, hilft es auch wenig, sich weiter darüber zu ärgern, jedoch kann man vielleicht daraus etwas lernen, sind doch eigentlich alle diese Ursachen meine eigene Schuld, da ich mich von ihnen in meiner Stimmung beeinflussen ließ.

Welche Lehren ziehe ich nun also? Ich ordne sie den jeweiligen Problematiken zu.


1.       Die Erfahrung, wie es sich auf der anderen Seite anfühlt, ist erhellend. Ich werde mich bemühen in Zukunft in meinen eigenen schlechten Stimmungen weniger abfärbend zu sein, als ich es in der Vergangenheit war. Das ist eine schwer umzusetzende Lektion, denn gerade in solchen Situationen ist es nicht leicht, sich so weit zu kontrollieren.

2.       Die Frage, die ich mir stellen muss, nachdem so langsam etwas Ruhe in meinem Kopf einkehrt: „Was habe ich denn erwartet?“ Letztlich war das Ergebnis, sicher nicht in allen Details, aber im Großen und Ganzen, genau so, wie es ein nüchtern denkender Geist vor der Veranstaltung vorhersehen konnte. Die Erwartungen zurückschrauben, Dinge, die wichtig sind, entweder auf die eigene Agenda schreiben oder sich möglichst ganz raus ziehen, die persönlichen Pläne im Zweifelsfall höher priorisieren, als die von anderen und die Veranstaltung nach der diesjährigen Bilanz im nächsten Jahr anders angehen… all das sind Lektionen, die aus dem Desaster gezogen werden können. Das ist es, was als Konsequenz aus dem realistischen Blick gezogen wird.

3.       Auch hier bleibt die Frage nach den eigenen Erwartungen, denn im Grunde genommen war es auf dieser Veranstaltung in all den Jahren kaum anders. Vermutlich besteht der Frustfaktor hier auch einfach darin, dass nun insgesamt die letzten  drei Treffen nach einem ähnlichen, kurzen und oberflächlichen Muster abliefen, was jedes Mal den Umständen geschuldet war. Man kann versuchen gegen zu steuern um die eigene Unzufriedenheit zu senken. Eine Abhilfe wäre es mehr reale Zeit miteinander zu verbringen, was bei den aktuellen Terminkalendern zwar schwer umsetzbar sein mag, aber dennoch in Angriff genommen werden muss. Tu es oder tu es nicht… und so weiter.

Alle diese Konklusionen aus dem Erlebten sind sicher nicht einfach um zu setzen, doch ist der erste Schritt, die Erkenntnis, wie es besser gehen kann, immerhin schon getan. Wir werden sehen, was die Zukunft bringt. Immerhin ist es tatsächlich so, das Niederschreiben dieser Dinge und Gedanken hat für Ruhe und etwas mehr Ordnung in meinem Kopf gesorgt. Das ist doch schon etwas.

Dienstag, 14. Mai 2013

Unsicherheiten



Die Unsicherheit über eine Situation oder das Verhältnis zu einem anderen Menschen muss nicht unbedingt schlecht sein, birgt sie doch in sich zumindest noch Hoffnung, dass eigentlich alles in Ordnung ist. Tritt erst Gewissheit ein, kann man sich nichts mehr vormachen, sondern muss die Tatsachen akzeptieren, auch wenn sie nicht den Hoffnungen entsprechen. Das ist anscheinend ein schwerer Schritt, Unsicherheit gegen Klarheit zu tauschen, obwohl meistens eine einfache Frage alles lösen könnte. Ich muss mich entscheiden: Die Hoffnung der unklaren Verhältnisse oder die Realität, die möglicherweise wehtut? 

Letztlich ist es mein Fehler. Ich kann natürlich versuchen, die Schuld bei anderen zu suchen oder sie auf sie ab zu wälzen, letztlich wäre das aber alles nur Ablenkung. Ich bin derjenige, der dein Vertrauen enttäuscht hat, ich bin derjenige, dem du dein Herz ausgeschüttet hast, ich bin derjenige, der einfach nur hätte schweigen müssen, das kann ich doch sonst so gut. Warum war ich dazu diesmal nicht in der Lage? Auch die Tatsache, dass ich es nur einem Menschen anvertraut habe, macht es nicht besser, einer oder einhundert, wo ist der Unterschied? Ich verstehe und es tut mir so unendlich leid, dass es dich verletzt hat und wütend gemacht hat, ginge es mir doch umgekehrt nicht anders und empfinde ich doch mir selbst gegenüber momentan auch nur Abscheu und Unverständnis. Mehr als eine Woche nun Funkstille, das ist ungewöhnlich, selbst bei unseren stressigen Leben. Wo stehen wir nun?

Vielleicht übertreibe ich einfach und überinterpretiere die ganze Sache. Vielleicht hast du einfach momentan nur keine Zeit, du hast ja in den letzten Tagen viel um die Ohren gehabt. Vielleicht ist das Thema für dich geklärt und du wunderst dich, warum ich mich nicht melde und dir aus dem Weg zu gehen scheine. Vielleicht mache ich mir mal wieder unnötig Sorgen, unsere Freundschaft ist stark, die hält auch so etwas aus. Vielleicht gibt es überhaupt keinen Grund für diesen Text und für meine düsteren Gedanken.

Doch was, wenn es anders ist? Was ist, wenn du noch immer wütend auf mich bist, oder schlimmer noch, wenn du noch immer enttäuscht von mir bist? Was ist, wenn du auch nicht weißt, wie es weiter gehen soll, wenn du gar nicht willst, dass es weiter geht? Was ist, wenn du mir nicht mehr vertrauen kannst und ich das zerstört habe, was wir mühsam in den letzten Jahren als Freundschaft aufgebaut haben? Was ist, wenn die düsteren Gedanken Wahrheit sind?

Das ist es, was mich beschäftigt hat in den letzten Tagen. Das ist der Grund, aus dem ich mich nicht traue mich zu melden, die zweite Alternative könnte ich vermutlich kaum aushalten. Nenne es Feigheit, nenne es das Festhalten an der Hoffnung auf die erste Möglichkeit, die durch die Unklarheit genährt wird, es funktionierte, für eine Weile. Doch ich merke, dass das keine Dauerlösung ist, sondern nur ein Ausweichen vor der Realität.

Ich esse schlecht, trinke zu wenig, schlafe unruhig, mein Gehirn beschäftigt sich immer wieder mit dieser Sache. Die Unsicherheit ist nun kein Schutz mehr, sondern wird  doch zur Qual. Ich kann es so nicht stehen lassen, ich muss den Schritt machen und mir Klarheit verschaffen. Ich werde es jetzt tun. Ich werde die Realität akzeptieren, egal, wie sie aussehen mag. Ich melde mich bei dir, auch wenn ich gerade merke, wie die Angst vor der Ablehnung wieder zunimmt.

Doch es muss sein!

Mittwoch, 8. Mai 2013

Hamstergedanken



Achtung: Der folgende Text ist aus einer Frustsituation heraus entstanden und sollte auch als eben das betrachtet werden: als Frustabbau!

Ein Hamster ist ein ziemlich unsoziales Wesen. Er verträgt sich nicht mit seinen Artgenossen und vertreibt sie, sobald er ihrer gewahr wird, mit allen Mitteln aus seinem Revier. Nur zur Paarung tolerieren sich diese Einzelgänger kurzzeitig, nachdem der Akt jedoch vollzogen ist, gehen alle Beteiligten wieder ihrer Wege. Im Grunde genommen beschränkt sich ihr soziales Leben auf Vögeln und das Meiden des Kontaktes zu anderen Hamstern. Ich glaube, wir können viel von Hamstern lernen.

Nach eigener Erfahrung funktioniert es anscheinend nicht, wenn man Menschen zu nahe an sich heran lässt. Das ist eine Lektion, die so langsam eigentlich verinnerlicht sein sollte, was das Gehirn aber nicht davon abhält es immer wieder zu versuchen. Letztlich wird Vertrauen wohl immer zur Selbstverständlichkeit und wird dann als solche benutzt. Sicherlich helfe ich gerne meinen Freunden und tue etwas für sie, wenn dies benötigt wird. Jedoch wird es an dem Punkt zu viel, an dem ich das Gefühl habe, dass ein „Wie geht’s?“ eigentlich nur gefragt wird um die Gegenfrage gestellt zu bekommen und mich mit all dem Negativen zu überhäufen, was sich angesammelt hat. 

Die meisten Beziehungen zu anderen Menschen haben wohl auf die eine oder andere Weise etwas Asymmetrisches an sich, was in den meisten Fällen auch nicht wirklich schlimm ist. Eine der beteiligten Personen investiert meist mehr in die Freundschaft als die andere, sie liegt ihr mehr am Herzen, sie ist mit mehr Elan bei der Sache oder hat einfach andere Vorstellungen von dem Verhältnis zu der anderen Person, als diese. Wenn von Zeit zu Zeit ein gewisser Ausgleich geschaffen wird, ist das wohl auch kein größeres Problem. Doch was ist nun, wenn dieser Ausgleich mehr und mehr verloren geht, wenn offenbar die oben beschriebene Selbstverständlichkeit die Oberhand gewinnt, wenn sich alle Beteiligten an diese Art der Zusammenarbeit gewönnen und darin fest fahren? 

Nähe bedeutet Schwäche, die zu Verletzungen führt. Klingt zynisch und verbittert, ist es möglicherweise auch. Doch es scheint immer genau darauf hinaus zu laufen: Wenn man einem anderen Menschen zu nahe ist, sich zu sehr in sein Leben involviert und den eigenen Schild senkt um diese Person auch an sich selbst teilhaben zu lassen, wird man früher oder später verletzt oder in Dinge herein gezogen, die man niemals wollte oder die einfach zu viel sind. Und da man diesem Menschen dann nahe steht, tut es natürlich noch sehr viel mehr weh, nimmt einen mehr mit und beschäftigt einen mehr, als es eigentlich gesund wäre.

Vermutlich liest sich das ganze deutlich dramatischer und anklagender, als es eigentlich ist. Es gibt schließlich auch genug Gegenbeispiele, Menschen, die anders sind, als die beschriebenen, bei denen man einfach weiß, dass die Freundschaft auf Gegenseitigkeit beruht, die sich ernstlich für ihr Gegenüber interessieren und die nicht nur nehmen bis nichts mehr übrig ist, sondern auch geben. Doch diese Art von Menschen ist selten. Letztlich ist dieser Text auch nur eine wirre Aneinanderreihung von Gedanken zu diesem Thema, die ohnehin nicht die richtigen Personen erreicht, da meines Wissens nur Leute dieses Blog lesen, die mich nicht in meinem Wunsch bestärken im nächsten Leben ein Hamster zu werden.

Doch welche Konsequenz lässt sich daraus ziehen? Ich stehe vor einem Dilemma, denn der Mensch ist ein soziales Tier. Ganz ohne den Kontakt zu anderen geht es nicht, auch das habe ich schon aus eigener Erfahrung festgestellt, das Hamsterdasein ist nichts für Menschen, auch wenn es durchaus erstrebenswert wäre. Aber offensichtlich funktioniert es auch nicht, wenn man sich zu sehr auf Menschen einlässt. Letztlich läuft es also wohl darauf hinaus das Verletzungsrisiko zu minimieren, was man ja ansonsten im Alltag, Haushalt, Sport oder Berufsleben, auch anstrebt. Die Devise ist: Abstand halten! Es muss eine klare Linie her, die nicht überschritten werden und über die eine Bekanntschaft nicht hinaus gehen darf.  Der Schild muss wieder aufgebaut und gestärkt werden, denn hinter ihm bin ich sicher. Ein guter Plan… doch ich zweifle noch an der Umsetzung.

Mal sehen, wie lange mein Gehirn braucht, bis es mich das nächste Mal über die Linie treibt. Hamster müsste man sein…